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Bärendienste

Jirka Grahl ist für »nd« bei der WM in Russland unterwegs

  • Von Jirka Grahl
  • Lesedauer: 2 Min.

So geht also Autokorso auf Russisch: Nach dem 5:0-Sieg der Sbornaja fuhren etliche hupende Wagen über die vielspurigen Prospekte Moskaus. Am aufsehenerregendsten war dabei ein Militärjeep, in dessen offenem Verdeck ein leibhaftiger Bär auf der Rücksitzbank saß: Das dressierte Tier thronte aufrecht in der hinteren Reihe des Oldtimers und tat allerlei Dinge, die Fußballfans so amüsieren. Es blies in eine Vuvuzela, es klatschte mit den Tatzen, es zeigte obszöne Gesten. Die WM-Touristen lachten und filmten fleißig jene Videos, die Tierschützer aus aller Welt mit Empörung kommentierten. Ein Moskauer Fernsehsender witzelte zu den Bildern des gequälten Bären: »Jetzt wird es noch schwerer, den Ausländern, die nach Russland gekommen sind, zu beweisen, dass keine Braunbären das Zentrum der Hauptstadt durchstreifen.« Russischer Humor? Scheinbar.

Offensichtlich ernst meint hingegen die russische Regierung die Erhöhung des Rentenalters und der Mehrwertsteuer. Genau am Eröffnungstag der WM wurden diese beiden Maßnahmen beschlossen. Sie haben es in sich: So steigt steigt im Jahr 2019 die Mehrwertsteuer von 18 auf 20 Prozent, was dem Staat 600 Milliarden Rubel (8,15 Milliarden Euro) Mehreinnahmen bringen soll. Lange vorbereitet ist auch eine heftige Rentenreform. Das Pensionsalter, das seit 80 Jahren bei 55 Jahren für Frauen und bei 60 Jahren für Männer liegt, wird schrittweise angehoben - für Frauen bis 2034 auf 63 Jahre, für Männer bis 2028 auf 65 Jahre.

Die WM wird allerdings von Regierungen allerorten genutzt, um unpopuläre Entscheidungen durchzudrücken. In Deutschland genehmigte die Große Koalition den Parteien gerade 25 Millionen Euro zusätzlich.

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