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So wird das nichts

Die DFB-Elf startet mit einem 0:1 gegen Mexiko in die WM. Selten wirkte sie so hilflos wie an diesem Abend

  • Von Jirka Grahl, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ganz so einfach wird es also nicht mit der Mission Titelverteidigung. Die DFB-Kicker legten am Sonntagabend einen unverhofften Fehlstart hin. 0:1 verlor der Weltmeister gegen Mexiko im Moskauer Luschniki-Stadion - es war erst die zweite Niederlage in einem WM-Auftaktspiel nach dem 1:2 gegen Algerien 1982.

Nach dem Abpfiff staunte auch Toni Kroos, der an diesem Abend noch die beste Leistung in einer schwachen deutschen Mannschaft gezeigt hatte. »Wir haben in der ersten Halbzeit keine Lösung gefunden, die Mexikaner haben die Räume clever zugestellt«, befand er und ergänzte: »Wir haben vorn viel zu leicht die Bälle verloren.« Für die Vorrunde verheißt die Niederlage nichts Gutes, weiß Kroos: »Natürlich sind wir jetzt unter Druck, wir müssen jetzt sechs Punkte aus den letzten beiden Spielen holen.«

Es war fast ein Start-Ziel-Sieg der Mexikaner, die von Beginn an auch akustisch auf dem Siegerpfad unterwegs war. Unter den 78 000 im Luschniki-Stadion erzeugten die Fans in Grün deutlich mehr Krach als die Deutschen und viel, viel mehr Dezibel, als es die russischen und saudischen Fans beim Eröffnungsspiel an gleicher Stelle hinbekommen hatten. Der schmetternde Mariachi-Gesang der mexikanischen Fans übertraf das weichgespülte »Ein Hoch auf uns« der Deutschen um Längen. Die Mittelamerikaner sollten das Übergewicht behalten - wie auch ihre Mannschaft auf dem Rasen.

Kurz vor Anpfiff war bekannt geworden, dass der auf links gesetzte Kölner Jonas Hector ausfallen und stattdessen Marvin Plattenhardt verteidigen würde. Am Berliner lag aber es nicht, dass die deutsche Abwehr in der ersten Halbzeit ein ums andere Mal ins Schwimmen kam. Der Herthaner spielte das, was er kann. Die Innenverteidiger Jerome Boateng und Mats Hummels wirkten hingegen regelmäßig überfordert gegen die pfeilschnellen Angreifer Chicharito und Hirving Lozano. Vor allem aber Joshua Kimmich auf der rechten Seite irrlichterte durch die erste Halbzeit. Bereits in der ersten Spielminute brach sein Gegenspieler in den deutschen Strafraum ein, Boateng rettete in letzter Sekunde zur Ecke.

So sollte es die nächste Dreiviertelstunde weitergehen. Mexiko spielte ein striktes Pressing, die deutschen Kicker wurden mit jedem Ballverlust unsicherer. Das Stadion tat mit lauten Pfiffen ein übriges dazu, die Weltmeister zu verunsichern. Immer wieder konterten die Mexikaner - und die Deutschen wussten nicht, was sie dagegen anstellen sollten. Vor allem Sami Khedira lieferte weder im Spielaufbau noch in der Abwehrarbeit Argumente für weitere Einsätze.

Lang war die Liste der Fehler, fast ebenso lang die der Beteiligten. Auch die Offensive mit Mesut Özil, Julian Draxler oder Timo Werner hatte wenig zu bieten außer Pässe ins Nichts, Drehungen zur falschen Zeit in die falsche Richtung und verlorene Zweikämpfe. Folgerichtig fiel schließlich das 0:1 in der 34. Minute. Der ehemalige Leverkusener Chicharito startete von der Mittellinie, bediente mustergültig seinen Kollegen Hirving Lozano auf der linken Seite, der schlug noch einen Haken und versenkte den Ball in der linken Ecke - Manuel Neuer war chancenlos.

Die zweite Halbzeit sollte schließlich etwas Linderung vom Pressing bringen, denn den Mexikanern ging ziemlich bald die Puste aus. Sie verlegten sich auf gefährliche Konter, doch auch mit der Übermacht im Mittelfeld wussten die DFB-Fußballer nichts anzufangen.

In der 60. Minute reagierte Löw schließlich und brachte Marco Reus für Khedira, später sollten Mario Gomez (79. für Plattenhardt) und Julian Brandt (86. für Werner) noch zur Belebung beitragen. Die Deutschen kamen zu immer mehr Chancen, ein Treffer gelang nicht mehr. Weder bei Kimmichs Fallrückzieher (63.) noch bei Timo Werners Schuss aus Nahdistanz (69.) Mario Gomez’ Kopfball oder Brandts Distanzschuss. (89. ).

Für die Deutschen geht es zum nächsten Spiel nach Sotschi: Am Samstag ist dann Schweden der Gegner. Ein gutes Omen? Vielleicht: Im spektakulären Fischtstadion am Ufer des Schwarzen Meeres begann die DFB-Elf 2017 ihren Siegeszug durch den Confed-Cup, der im Titelgewinn mündete. Die Wahrscheinlichkeit eines Gruppensieges aber ist gestern zumindest deutlich gesunken.

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