Werbung

Der Tragödienstadler

Kurt Stenger über die Verhaftung des Audi-Chefs in der Dieselaffäre

  • Von Kurt Stenger
  • Lesedauer: 1 Min.

Kann man sich vorstellen, dass Konzernchefs der deutschen Autoindustrie auch dann noch illegal manipulierte Dieselfahrzeuge in großen Mengen verkaufen ließen, als sie von den Betrügereien wussten und vor allem von der absehbaren Bestrafung in den USA? Glaubt man der Staatsanwaltschaft München, dann trifft das zumindest im Fall von Audi-Chef Rupert Stadler zu. Dann war es wohl die - Topmanager auszeichnende - Mischung aus Überheblichkeit und Dummheit, die Stadler dazu brachte, erst einfach weiterzumachen und sich dann mithilfe der Entlassung zweier Sündeböcke aus der Technikabteilung reinzuwaschen versuchte. Die schützenden Hände der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sowie der Regierung schienen ihm Sicherheit genug - nun sitzt er als erster Autoboss in Untersuchungshaft.

Es ist gut, dass immerhin die Justiz die Glacéhandschuhe abgelegt hat. 20 Ermittlungsverfahren laufen, ein Ex-Audi/Porsche-Vorstand sitzt schon seit September in Haft. Natürlich ist es wichtiger, strukturelle Änderungen in der Autoindustrie durchzusetzen, sodass gesetzliche Abgasgrenzwerte nicht zum Austricksen anstacheln, als dass einzelne angeklagt werden. Doch die Automanager werden ihr kriminelles Gebaren nur dann ändern, wenn sie mit empfindlichen Strafen rechnen müssen. So bleibt zu hoffen, dass Stadlers absehbare Tragödie eine abschreckende Wirkung zeigt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln