Werbung

Schloss Mosigkau hat sein Dach zurück

Sachsen-Anhalt: Das 2007 schwer beschädigte Rokoko-Ensemble im Dessau-Wörlitzer Gartenreich wurde denkmalgerecht saniert

  • Von Petra Buch, Dessau-Roßlau
  • Lesedauer: 3 Min.

»Perle des Rokoko« und »Klein- Sanssouci« wird es von Bauexperten liebevoll genannt - das Schloss Mosigkau im Dessau-Wörlitzer Gartenreich. »Tugendhaft, gottesfürchtig und unverheiratet« mussten die Bewohnerinnen sein, wie es die Erbauerin der Anlage, Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau (1715-1780), in ihrem Testament verfügt hat. Frauen aus dem Adel, die mangels Mitgift in ihren Kreisen keinen Mann fanden, sollten in dem Schloss Aufnahme finden, sich um Arme und Kranke im Dorf kümmern, sie pflegen und bekochen.

Mit weißen Handschuhen blättert Archivarin Ute Winkelmann von der Kulturstiftung DessauWörlitz im dicken Testament der Tochter des Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau. »Sie war sehr demokratisch, aufklärerisch, ein mathematisches Talent, pingelig in der Buchführung und fürsorglich«, sagt sie über die Adelige. Beim Rundgang durch die historischen Räume zeigt sie dann auch persönliche Dinge der vermögenden Frau, die unverheiratet blieb. »Warum? Das ist leider nicht überliefert«, sagt Winkelmann. Dokumente gingen durch Kriege auch verloren. In ihrem Testament habe die Prinzessin aber penibel bestimmt, wie das Leben in ihrem Sommerschloss nach ihrem Tod sein soll - den Tagesablauf, beginnend mit Gebeten, »bis dahin, wer in welchen Räumen wohnen soll«, erzählt Winkelmann vor einem großen Bild der Prinzessin.

Die Geschichte nahm in dem Schloss ihren Lauf. Heute ist es ein Museum. Stürme und der Zahn der Zeit nagten an der Anlage. Orkan Kyrill, der 2007 über Europa hinwegfegte und verheerende Schäden anrichtete, traf auch Mosigkau. Zunächst notdürftig repariert, wurden die historische Dachkonstruktion samt Schornsteinen sowie die Fassade und Elektroanlagen dann ab 2016 denkmalgerecht erneuert. Rund 1,6 Millionen Euro wurden nach Angaben der Staatskanzlei und des Ministeriums für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt mithilfe des Bundes - des Programms »Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Ostdeutschland« - investiert. Mit dem Programm »wollen wir ein möglichst breites Publikum zeitgemäß ansprechen und für unser vielfältiges und reiches Kulturerbe interessieren«, erklärt Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) das Anliegen.

Seit 2004 hat der Bund den Angaben zufolge rund 83 Millionen Euro für herausragende Kultureinrichtungen und -projekte in den östlichen Bundesländern bereitgestellt, für 2018 ist weitere Unterstützung für 27 Projekte geplant.

Mosigkau ist nach Angaben der Kulturstiftung DessauWörlitz eine der bedeutendsten Rokoko-Anlagen in Deutschland, erste Entwürfe stammten möglicherweise von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, dem Architekten der berühmten Schlossanlage Sanssouci in Potsdam. Nach Angaben der Kulturstiftung kommen jährlich zwischen 7000 und 10 000 Besucher nach Mosigkau. Im Schloss sind mehr als 20 Räume mit teilweise erhaltener Originalausstattung zu besichtigen.

Strahlend öffnet die Archivarin die Tür zu einem Saal mit türkisfarbener Stuckdecke und einem Bilderschatz an den Wänden. Gemälde wie von Peter Paul Rubens (1577-1640) und Anthonis van Dyck (1599-1661) sind zu sehen. »Sie hatte Geschmack«, schwärmt die Archivarin in dem Saal, in dem Konzerte mit Blick in den Garten stattfinden. Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die sich im Dessau-Wörlitzer Gartenreich nach eigenen Angaben bereits vielfach engagiert hat, sind historische Anlagen wie Mosigkau wichtig. Um in der heutigen Zeit den Blick zu bewahren für handwerkliches und künstlerisches Schaffen, wie ein Sprecher sagt. dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln