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Auszeichnung für Jürgen Schieferdecker

Dresdner Kunstpreis

  • Von Gert Claußnitzer
  • Lesedauer: 2 Min.

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Jürgen Schieferdecker ist ein Sonderfall in der Dresdner Kunstlandschaft der Gegenwart. Dieser Künstler hat den Mut, sich dem Trost einer poetischen Harmonie zu versagen. Mithin findet sich keine Seelenromantik in seinem ikonografischen Programm. Schließlich proklamiert Schieferdecker einen radikalen Individualismus und die Entschlossenheit, die Kunst aus der Abhängigkeit der Ideologie zu befreien. Und er fordert das Recht auf rücksichtslose Kritik und auf Achtung vor der wirklichen Überzeugung. Irgendwie erscheint er wie der Apostel eines neuen Denkens, denn er wird durch kein Programm bestimmt und durch keine der bekannten Regeln der bildenden Kunst in seinen Äußerungen beherrscht. Er entscheidet sich mithin nicht mehr für den traditionellen Weg der Wirklichkeitswiedergabe, sondern für den modernen der Reflexion und der Analyse.

Dieser Künstler ist erfüllt von der Notwendigkeit rasch zu formulieren und dabei hemmungslos auszusprechen, was ihn bewegt. Dazu bedient er sich einiger ungewöhnlicher Mittel: der Collage und der Assemblage, die er gelegentlich mit plastischen Mitteln erweitert. Darin ist er bis heute in Dresden unübertrefflich, und er zeigt sich befreit von jeglichen handwerklichen Engherzigkeiten, auch ohne Scheu vor Zitaten aus der Kunst, sei es nun von Dürer oder Dali, Rembrandt oder Max Ernst.

Letzterer hat für Schieferdecker eine besondere Bedeutung. Ihm hat er stets ehrfurchtsvoll und gründlich nachgestellt. Darum sind auch viele seiner Werke nicht ohne Grund Max Ernst gewidmet. Max Ernst, der Fundgegenstände aus dem Bereich der Triebe und Instinkte, Bausteine des Unbewussten zu Gebilden erweiterter optischer Wirklichkeit schuf. Von »Imaginationstechniken« sprach seinerzeit Max Ernst im Hinblick auf solche Bilder, als er in der Gründungsphase des Surrealismus die Inspiration aus nicht künstlerischen Materialien und Techniken seinen Verfahren anverwandelte. Ihm war ja Experimentierfreude bescheinigt worden. Nur die »Versuchung ist göttlich« hatte ja bereits André Breton gesagt. Es handelte sich um eine Sprache, den psychischen Improvisationen Paul Klees verwandt und verbunden, zuweilen ins Monumentale projiziert, einem Halluzinationsuniversum vergleichbar.

Es ist ganz ähnlich bei Schieferdecker, der in einer ungewöhnlichen Kombinatorik von Wirklichkeitselementen und antikünstlerischen Objektfragmenten, in seinen Konstruktionen des Absurden, zuweilen Bilder entstehen lässt, die niemals nur ironisch-funktionslos sind, sondern einen Protest beinhalten oder eine Provokation. Vielleicht ist bei ihm auch die Begierde eine treibende Kraft, ähnlich wie bei Man Ray. Dabei ist Jürgen Schieferdecker aber beileibe kein »Don Quichote«, wie der Kunsthistoriker Bernd Lindner einmal schrieb. »Er verficht hartnäckig seinen Anspruch auf Utopie - als Antizipation einer möglichen, besseren Welt.« Am 23. Juni würdigt nunmehr die Landeshauptstadt Dresden den Künstler für sein Lebenswerk mit dem Kunstpreis 2018.

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