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Erbarmungslose Kriegswalze Saudi-Arabien

Vereinigte Arabische Emirate melden Einnahme von Flughafen Hodeida durch Regierungstruppen in Jemen

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Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit haben sich die Kampfhandlungen in Jemen so ausgeweitet, dass man von der derzeit intensivsten militärischen Auseinandersetzung weltweit sprechen muss. Truppen des im März 2015 gestürztem und nach Saudi-Arabien geflohenen Präsidenten sind auf ihrem Rückeroberungsfeldzug zu Wochenbeginn in die Hafenstadt Hodeida am Roten Meer eingedrungen. Die - schiitischen - Huthi-Milizen, die vor mehr als zwei Jahren Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi zum Rückzug gezwungen und fast das gesamte Territorium im Nordwesten, die ehemalige Jemenitische Arabische Republik, unter ihre Kontrolle gebracht hatten, sind nun selbst in der Defensive.

Im wesentlichen drei Gründe sind ausschlaggebend für ihre derzeit bedrohliche militärische Situation. Erstens: Mit dem Versuch, auf das gesamte jemenitische Territorium, also auch die sunnitisch dominierten südlichen Landesteile um Aden vorzudringen, haben sie sich überhoben. Dort ist ihnen die Bevölkerung auch nicht gewogen.

Zweitens: Die Ermordung des ebenso einflussreichen wie umtriebigen Ex-Staatschefs Ali Abdullah Saleh im Dezember durch Huthis, weil er angeblich mit Saudi-Arabien einen Frieden ohne die Huthi-Chefs aushandeln wollte, hat den Rückhalt der Huthi unter den nordjemenitischen Clans erheblich geschwächt. Die Clans und Truppen, bei denen Saleh auch nach seinem von den USA erzwungenen Rücktritt 2012 noch Rückhalt genoss und die wesentlich zur schnellen Eroberung des gesamten Nordens durch die Huthi beigetragen hatten, sind nach dem Mord an Saleh vielfach auf Distanz zu den Huthi gegangen - mit dramatischen Auswirkungen auf das Kräfteverhältnis in Jemen, wie sich jetzt zeigt.

Vor allem aber drittens: Der Krieg in Jemen ist zwar immer noch ein Bürgerkrieg in dem Sinne, dass sich in erster Linie Jemeniten an den Fronten gegenüberstehen. Er ist jedoch mehr denn je auch ein Interventionskrieg, ein Aggressionskrieg des Nachbarn Saudi-Arabien, der - nur durch kurze Schamfristen unterbrochen - seit mehr als drei Jahren einen ebenso ungenierten wie erbarmungslosen Luftkrieg gegen das ärmste Land auf der Arabischen Halbinsel führt.

Bei der augenblicklichen Schlacht um Hodeida, bei der Saudi-Arabien täglich Luftangriffe fliegt, geht es nicht nur um die drittgrößte Stadt Jemens und wichtigste Hafenstadt des Huthi-Herrschaftsgebiets. Fast sämtliche importierten Lebensmittel, Hilfsgüter und sonstigen Waren, die Nordjemen erreichen, kommen über Hodeida. Fällt der Hafen als Einfuhrkanal flach, sind Hunderttausende ohne Versorgung. Saudi-Arabien behauptet, der Hafen müsse abgeriegelt werden, weil über ihn Waffen aus Iran an die Huthi geliefert würden. Doch selbst wenn sie dafür einen Beweis erbracht hätten, wäre das nicht im mindesten eine im Völkerrechtssinne akzeptable Begründung für ihren Bombenkrieg.

Die UNO-Verantwortlichen und andere Hilfsorganisationen haben auf die drohende Katastrophe wochenlang aufmerksam gemacht - in der Hoffnung, einer der engen westlichen Verbündeten Saudi-Arabiens von den USA bis Deutschland möge sich doch auch jetzt einmal an seine sonstige Menschenrechts-Rhetorik erinnern und die außer Rand und Band geratene Königs-Clique in Riad zur Ordnung rufen. Doch nachdem König Salman und sein oberster Warlord, Kronprinz Mohammed bin Salman, sahen, dass man dort nur mit der Schulter zuckte, gehen sie jetzt aufs Ganze.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat einmal scharf protestiert, allerdings gegen die Jemeniten, als diese nach 3000 Luftangriffen aus Saudi-Arabien auf ihre Land ein paar Raketen in Richtung des aggressiven Nachbarn abschossen. Ansonsten gelangen offenbar vor allem weiter Waffen aus Deutschland nach Saudi-Arabien, wie der am Mittwoch veröffentlichte Rüstungsexportbericht 2017 auswies.

Als Mitinterventionisten geben sich jetzt ganz offen die Vereinigten Arabischen Emirate zu erkennen. Während die Saudis ausschließlich mit ihrer Luftwaffe Krieg führen, sind die Emirate auch mit Bodentruppen in Jemen eingefallen. Die »Regierungstruppen« hätten den Flughafen vollständig unter ihre Kontrolle gebracht, berichtete der emiratische Armeekommandeur Abdel Salam al-Schehi ganz ungeniert am Mittwoch.

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