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Erinnern an die Opfer der Köpenicker Blutwoche

Dezentrale Veranstaltungen zum Gedenken an den 85. Jahrestag der Verhaftungs- und Mordaktion der SA

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 2 Min.

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Aus Anlass des 85. Jahrestags der Köpenicker Blutwoche wollen die Museen Treptow-Köpenick und das Aktive Museum am Donnerstag mit dezentralen Veranstaltungen an die Opfer dieser groß angelegten Gewaltorgie der Nationalsozialisten im Juni 1933 erinnern.

»Die Köpenicker Blutwoche markiert einen ersten Höhepunkt des frühen SA-Terrors in Berlin«, sagt der Geschäftsführer des Aktiven Museums, Kaspar Nürnberg, dem »nd«. Die Verhaftungs- und Mordaktion der SA habe bewusst im öffentlichen Raum stattgefunden, um ein Exempel gegen alle Gegner des NS-Regimes zu statuieren.

»Mit unserem Gedenken in diesem Jahr wollen wir speziell darauf aufmerksam machen, dass es damals Nachbarn waren, die ihren Nachbarn Schreckliches antaten«, sagt Nürnberg.

Von 15 bis 18 Uhr wollen Mitarbeiter der Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche an verschiedenen Orten im Bezirk, die bei den damaligen Ereignissen eine Rolle spielten, Mahnwachen abhalten. Parallel dazu soll am S-Bahnhof Köpenick eine vom Bezirksamt herausgegebene Broschüre mit historischen Informationen an Interessierte verteilt werden. Ab 17 Uhr hält die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) auf dem Platz des 23. April eine Kundgebung ab. Sprechen wird unter anderem Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Um 19 Uhr lädt die Gedenkstätte in der Puchanstraße 12 zu einer Gedenkfeier in ihre Räumlichkeiten ein.

Am 21. Juni 1933 kam der Straßenterror der SA nach Köpenick: In einer koordinierten Aktion wurden rund 500 Gegner des Nationalsozialismus im Bezirk gefangen genommen. Anlass für die Verhaftungswelle war das reichsweite Verbot des »Deutschnationalen Kampfrings« und der SPD. Im Verlauf der Gewaltaktion erschoss das SPD-Mitglied Anton Schmaus in Notwehr drei SA-Männer, woraufhin die Gewalt eskalierte.

Viele Anhänger von SPD, KPD, Reichsbanner, des Deutschnationalen Kampfringes (DNVP), Juden und Gewerkschafter wurden in den Folgetagen gedemütigt und teils brutal gefoltert. Mindestens 23 Menschen wurden von der Köpenicker SA-Standarte 15 um den berüchtigten Sturmbannführer Herbert Gehrke ermordet. Einige Leichen der Opfer wurden von den SA-Mitgliedern in Säcken verschnürt und dann in umliegende Gewässer geworfen oder im Schmöckwitzer Wald verscharrt.

»Die Köpenicker Blutwoche war Ausdruck eines totalen Versagens der Zivilgesellschaft«, sagt der stellvertretende Bürgermeister des Bezirks Treptow-Köpenick, Gernot Klemm (LINKE), dem »nd«. Auch heute noch stehe der Terror der SA als ein Negativbeispiel dafür, wie schnell eine demokratische Kultur zerstört werden kann, wenn die gesellschaftliche Stimmung kippt. »Die Opfer von damals sind uns historische Mahnung und zugleich Verpflichtung zum aktiven Einsatz für Demokratie und unsere offene Gesellschaft«, sagte Klemm.

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