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Tapas und Tenöre

Doppelter Genuss in Madrid: Exzellente Speisen und singende Kellner bietet das Restaurant »La Favorita« in Spaniens Hauptstadt

  • Von Karsten-Thilo Raab
  • Lesedauer: 4 Min.

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Kellner in Madrid sind anders. Vor einigen Jahren arbeiteten ehemalige Strafgefangene in einem Restaurant als Kellner, das von einem Geistlichen betrieben wurde. Im Schatten der Oper erhielten die Ex-Gefangenen als Servicekräfte eine neue berufliche Chance. Die populäre Gaststätte namens Taberna del Alabardero wurde von Pfarrer Luis de Lezama gegründet, die gestreiften Sitzpolster erinnern ein wenig an eine staatliche Verwahranstalt mit Gittern vor den Fenstern.

In anderen Restaurants sind die Kellner im wahrsten Sinne des Wortes tonangebend, stellen selbst die größten kulinarischen Genüsse in den Schatten. Zwischen Tapas, Hauptgang und Vino Tinto avancieren ausgebildete Opernsänger im Restaurant La Favorita mit ihren Gesangsdarbietungen für die eigentliche Würze der ohnehin exzellenten Küche - stimmgewaltige Appetithäppchen, die die Gaumenfreuden wohlklingend ummanteln.

An den in Grün und Rot gehaltenen Wänden stechen Bilder vom Stierkampf, Blumenmotive und Gemälde schöner Frauen ins Auge. Weiße, gestärkte Tischdecken und Silberbesteck bilden zusammen mit sanfter Klaviermusik den gastlichen Rahmen. Auf die Tische kommen traditionelle madrilenische Produkte und Gerichte. Dazu gehören Vinos de Madrid, Fleischgerichte aus der Sierra de Guadarrama und natürlich Oliven aus dem Campo Real sowie andere Tapas-Variationen.

Trotz der hohen Qualität der Mahlzeiten kommen zahlreiche Gäste nicht allein wegen des Essens. Denn das La Favorita wartet mit einem ungewöhnlichen gastronomischen Konzept auf: Neben den »normalen« Servicekräften bedienen einige Opernsänger. Zwischen jedem Gang gibt einer der Künstler aus Spanien, der Ukraine, Russland und Kolumbien eine Kostprobe seines Könnens.

Einer der singenden Kellner ist Javier Lassaletta. Der 38-Jährige absolvierte eine Opernausbildung in Madrid und Mailand und stand sogar schon mehrmals in der renommierten Madrider Oper, dem Teatro Real, auf der Bühne, bevor er eine Ausbildung zum Kellner absolvierte.

»Wer nicht zur allerersten Garde der Tenöre gehört, muss sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten«, wertet Javier Lassaletta sein Engagement im La Favorita als Gelegenheit, vor Publikum zu praktizieren und gleichzeitig die eigene Kasse etwas aufzubessern. Denn nur sporadisch kommt er im Chor des Teatro Real zum Einsatz. Drei- bis viermal wöchentlich schmettert er stattdessen Arien aus »La Traviata« oder »Carmen« in dem stets prall gefüllten Restaurant - und dies seit mittlerweile vier Jahren.

»Das Kellner-Outfit und das bisweilen schmatzende Publikum stören mich wenig. Wir Sänger sind auch Schauspieler. Wenn es sein muss, singe ich im Kettenhemd.« Der sympathische Madrile mit dem schütter werdenden Haar hofft, schon bald das Restaurantparkett mit der großen Bühne tauschen zu können.

Kellner und Künstler in Personalunion - das passt nur bedingt zusammen. Das Publikum im La Favorita ist natürlich anders, oft weniger fachkundig, als in der Oper. Zwar verstummt in der Regel das Geklapper von Besteck und Geschirr während der Gesangsvorträge, doch es kommt immer wieder vor, dass diese lauthals durch Bier- oder Weinbestellungen unterbrochen werden. Schlimmer ist jedoch der Zigarettenqualm, der sich auch nicht unbedingt positiv auf die Stimmbänder auswirkt.

»Wenn ich singe, nehme ich den Rest um mich herum nicht mehr wahr«, beteuert Javier Lassaletta, wohl wissend, dass mit jedem weiteren Abend im La Favorita die Chancen sinken, tatsächlich eines Tages an der Mailänder Scala oder der Metropolitan Opera in New York zu den gefeierten Stars zu gehören. Aber wer weiß, vielleicht sitzt ja in naher Zukunft einmal ein großer Opernproduzent am Tisch des La Favorita und entdeckt den jungen Tenor. Bis dahin bleibt der Applaus der Restaurantbesucher das künstlerische Brot des Javier Lassaletta, während das bescheidene Salär und das Trinkgeld zumindest das täglich Brots sichert.

Infos

Restaurante La Favorita:
Covarrubias 25, 28010 Madrid Tel.: (0034) 91 448 38 10, www.restaurantelafavorita.com. Anfahrt: Mit der Metrolinie 1 oder 4 bis zur Haltstelle Bilbao. Von hier ca. zehn Gehminuten über die Calle de Luchana in nordöstlicher Richtung, dann rechts in die Straße Manuel Cortina abbiegen und der Straße bis zur Ecke Covarrubias folgen.

Allgemeine touristische Infos zu Spanien:
www.spain.info

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