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Urzeitfisch rekonstruiert

Das seltsam anmutende Meerestier lebte noch vor den Dinosauriern

  • Von Barbara Barkhausen
  • Lesedauer: 2 Min.

In Australien leben noch heute viele eher ungewöhnliche Tiere: hüpfende Beuteltiere, riesenhafte Laufvögel und eierlegende Säugetiere. Eines davon ist das Schnabeltier. Dieses Lebewesen hatte die Briten im 18. Jahrhundert kräftig verwirrt. Als ein Exemplar ins Naturkundemuseum nach London geschickt wurde, hielten die Kuratoren das Tier mit seinem dichten Pelz, dem dicken Schwanz, den Schwimmhäuten an den Füßen und dem Entenschnabel zunächst für einen Witz.

Genau diesem seltsam anmutenden Säugetier ähnelt auch der Urzeitfisch Brindabellaspis. Der Fisch lebte im Devon vor rund 400 Millionen Jahren, also noch 175 Millionen Jahre vor den Dinosauriern, und gehörte zu einer ausgestorbenen Gruppe gepanzerter Fische, den sogenannten Placodermi.

Fossilien des prähistorischen Fisches wurden 1980 im Kalkstein am Lake Burrinjuck in der Nähe von Canberra entdeckt. Das Gebiet enthält einige der frühesten Exemplare von Riff-Fischen und das weltweit besterhaltene fossile tropische Korallenriff.

Jetzt gelang es Paläontologen von der Flinders Universität in Adelaide und der australischen Nationaluniversität in Canberra, zwei der dortigen Fossilien zu rekonstruieren. Dabei entdeckten sie auch die Ähnlichkeit mit dem Schnabeltier, denn auch der Fisch trug einen langen Schnabel am Kopf. »Das war ein seltsam aussehender Fisch«, sagt Benedict King, einer der Autoren der Studie, die im Fachblatt »Royal Society Open Science« veröffentlicht wurde. »Die Augen waren oben auf dem Kopf, und die Nasenlöcher kamen aus den Augenhöhlen.«

Dazu kommt die lange schnabelförmige Schnauze, die zudem mit einem einzigartigen sensorischen System aufwartete. Die Forscher vermuten, dass der Fisch ähnlich wie die heutigen Rochen ein Bodenbewohner war, der mit seinen nach oben gerichteten Augen nach Gefahren über sich Ausschau hielt und die Fähigkeit hatte, seine Beute mit elektrischen Signalen zu orten.

Für Gavin Young, der 1969 die ersten Fossilien in der australischen Region entdeckte, war »dieses alte Riff eindeutig ein blühender Hotspot für die Evolution, ähnlich wie es unsere heutigen Korallenriffe sind«.

In den einstigen Burrinjuck-Riffen waren Panzerfische wie der Brindabellaspis die dominierende Fischgruppe, gefolgt von Lungenfischen. Ähnlich verhielt es sich auch im prähistorischen Gogo-Riff in der Kimberley-Region in Westaustralien, wo ebenfalls Placodermi und Lungenfische dominierten. Heute dagegen sind die Placodermi vollständig ausgestorben, und es gibt weltweit nur noch sechs Arten von Lungenfischen, allesamt in Süßwasser. Heutige Korallenriffe sind dagegen von Knochenfischen bevölkert, einer Gruppe, die sich vor etwa 230 Millionen Jahren entwickelt hat.

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