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»Niemand will eine traurige Truppe«

Nordrhein-Westfalens neuer SPD-Chef Hartmann verbreitet Zukunftsfantasie

Bochum. Als gäbe es die Vergangenheit nicht mehr. »Für die SPD liegt der beste Tag immer in der Zukunft!«, ruft Sebastian Hartmann. Mit Standing Ovations bejubeln die Genossen der nordrhein-westfälischen SPD in Bochum ihren frisch gekürten neuen Vorsitzenden. Noch vor wenigen Wochen kannte kaum jemand den Namen des Bundestagspolitikers aus Bornheim bei Bonn. Nun ist der 40-Jährige neuer Chef der von der Wahlniederlage 2017 immer noch geschwächten NRW-SPD. Gewählt mit 80,3 Prozent. Das kann man angesichts der Vorgeschichte ein wirklich gutes Ergebnis nennen. Denn eine Findungskommission hatte Hartmann quasi im Alleingang als einzigen Kandidaten aus dem Hut gezaubert. Das löste viel Kritik aus.

Hartmann hält vor den rund 460 Delegierten die vielleicht wichtigste Rede seines politischen Lebens. Die schärfste Kritik prasselt bei diesem Parteitag im Revier auf Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Horst Seehofer (beide CSU) nieder. Die SPD müsse endlich aufhören, zu klagen und gegen sich selber zu kämpfen, sagt Hartmann. »Niemand will eine traurige Truppe, die selbst nicht an ihren Erfolg glaubt.« Die SPD wolle ein »sozialdemokratisches Jahrzehnt«, »linken Realismus« und »Rot pur«, Das kommt an, immer wieder bekommt er Zwischenapplaus.

Hartmann kann man ein unbeschriebenes Blatt in der SPD nennen. Vielleicht ist es genau das, was die Genossen in NRW jetzt wollen. Die Abwahl der regierenden SPD, der weitere Absturz in Umfragen auf zuletzt 22 Prozent, die quälende Diskussion um die große Koalition in Berlin, das alles hat an der SPD gezehrt. Noch ist offen, ob Hartmann nur ein Übergangskandidat ist oder zur Landtagswahl 2022 Spitzenkandidat werden kann. Für welche Inhalte steht der Neue? Ein »New Deal« schwebt ihm vor, ein Jahrzehnt der sozialen Investitionen und Innovationen. Eine »Bad Bank« sollte verschuldete Kommunen von der drückenden Kreditlast befreien. Nicht nur in NRW, auch im Bund habe die SPD »Chancen verzockt« und sich immer nur um sich selbst gedreht. Bei der nächsten Bundestagswahl dürfe die SPD nicht mehr vor der GroKo-Frage stehen. dpa/nd

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