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Barde der Bruchbude

Winfried Wagner tot

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Castorfs Volksbühne: Kampfbegriff und Kompaktvokabel für schönsten, verklärungswürdigen Theaterterror. Beste Bruchbude des Bardentums. Unvergesslich, aber sterblich. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb vor wenigen Tagen Winfried Wagner. Am Rosa-Luxemburg-Platz der König der Koloraturen. Einer jener Ensemble-Größen, die aus zweiten Reihen herrlichsten Vordergund formten. Seit 1963 an der Volksbühne, wo er alles Bedeutende, Närrische, Hochgelobte, Aufsässige, Rotzige und Ruhmvolle mittrug: in Inszenierungen von Heinz, Müller, Marquardt, Soubeyran, Höchst, Karge/Langhoff, Castorf, Marthaler, Schlingensief.

Der 1937 in Sebnitz Geborene war 1990 zwei Jahre Intendant: verwalterischer Vorarbeiter für die Ära Castorf. Ein Vertrauensmann. Auf der Bühne von stiller Kantigkeit, hatte er markante Stimmeinsätze und war, wie erwähnt, von sängerischer Extraklasse. Er konnte, speziell bei Christoph Marthaler, auf einprägsame Weise zu jenen seltsamen Theaterwesen werden, die auf die trotzige Idee kommen, sie seien lebendige Wesen. Bei denen alles so weh tut. Hineingepresst in die Zermahlmaschine Zeit. In der nichts Platz hat. Außer jene Gefügigkeit in das, was nicht zu ändern ist. Außer größten Freiheiten zur Selbstverkleinerung - um nicht aus dem Rad zu fallen, in dem wir alle hamstern. Aus diesem quälenden Widerspruch zwischen Sehnen und Sein, dieser Trostlosigkeit, sich als Geschöpf nur in Erschöpfung erfüllen zu sollen, wächst die Wahrheit einer Komik, über die es im Grunde nicht, aber auch gar nichts zu lachen gibt. Es sei denn: Tränen.

In solcher Welt war Winfried Wagner, der schmale feine Silbergraue, ein verlässlicher Solitär - wie sie alle Solitäre waren, die Castorfs Volksbühne bildeten. Und die Castorfs Volksbühne bleiben, bis in alle unverdammte Ewigkeit unseres dankbaren Gedächtnisses. hds

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