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Weiße Frauen gefunden!

Die sehr komische Netflix-Serie »The Unbreakable Kimmy Schmidt« geht in die vierte und letzte Staffel

  • Von Veronika Kracher
  • Lesedauer: 3 Min.

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Durnsville, Indiana: Vier Frauen werden aus einem Bunker gerettet, in dem sie über fünfzehn Jahre hinweg vom Anführer einer Weltuntergangssekte eingesperrt waren.

Dies ist zum Glück keine reale Erzählung, sondern die Prämisse der hoch gelobten Netflix-Serie »The Unbreakable Kimmy Schmidt«, deren vierte Staffel inzwischen bei dem Video-On-Demand-Anbieter verfügbar ist. Diese wiederum ist der ausführlichen Auseinandersetzung mit MeToo, Maskulinismus und gekränkter Männlichkeit gewidmet.

Die titelgebende Heldin zieht aus der amerikanischen Provinz nach New York City, um dem von ihr erfahrenen Trauma zu entkommen, beginnt als Nanny für die weltfremde Sozietäre Jaqueline Vorhees zu arbeiten. Sie findet in dem so exzentrischen wie erfolglosen Schauspieler Titus Andromedon einen Mitbewohner und in der verzweifelt gegen jeden noch so kleinen Auswuchs der Gentrifizierung ankämpfenden Alt-Hippie Lillian Kauschtupper eine Vermieterin.

Inzwischen hat Kimmy sowohl einen High-School-Abschluss als auch die Universität besucht und arbeitet als Head of Relations in einem Start- Up-Unternehmen. Doch der Anführer des religiösen Kults, Reverend Wayne Gary Wayne, versucht auch weiterhin aus dem Gefängnis, seine misogyne und wahnhafte Ideologie zu verbreiten. Und diese findet in der aufstrebenden Männerrechtsbewegung des Jahres 2018 mehr Anklang, als Kimmy es sich je hätte denken können.

»The Unbreakable Kimmy Schmidt« ist jedoch keine Serie, deren düstere Erzählung von Kidnapping, Gehirnwäsche, Trauma und Missbrauch auch die Form bestimmt: Kimmy hat den Bunker aufgrund ihrer unerschütterlichen Stärke und Frohnatur überstehen können, mit der ihr es ebenfalls gelingt, den New Yorker Alltag zu überstehen.

Die Serie behandelt Themen wie Kimmys Trauma, Titus’ Verlustängste oder Jaquelines Emanzipationsbestrebungen mit sowohl liebevollem als auch schwarzem Humor. »Weiße Frauen gefunden«, titeln beispielsweise die Zeitungen nach der Befreiung der Opfer des Reverends, um in der Unterzeile zu erwähnen: »Auch eine hispanische Frau wurde gefunden.« Rassismus, Antisemitismus oder Misogynie werden immer wieder thematisiert und zeigen jene Welt auf, mit der Kimmy auf ihre gutherzige Art umzugehen weiß.

Dies kann auch katastrophal scheitern, beispielsweise als Kimmy versucht, die Entlassung eines Mitarbeiters so sanft wie möglich zu gestalten: »Ich finde es schön, dich jeden Morgen hier zu sehen«, erzählt sie dem irritierten jungen Mann, während sie ihm den Rücken massiert. »Doch vielleicht ist unsere Freundschaft eher etwas für die abendlichen Stunden. Du verstehst, worauf ich hinauswill?« Um die Schande seiner Entlassung zu mindern, lässt sie zudem die Hosen fallen - wodurch sie sich prompt eine Anklage wegen sexueller Belästigung einhandelt. Als sie sich bei Titus beklagt, sie hätte ihre Kollegen nicht belästigen wollen, erwidert dieser lapidar: »Es geht hier nicht um dich. Es geht hier um deine Kollegen und ihre Gefühle!«

Bis zur dritten Staffel deutet die Serie gesellschaftliche Misogynie an, reißt den einen oder anderen zynischen Witz. Danach taucht »The Unbreakable Kimmy Schmidt« richtig tief in die Jauchegrube toxischer Männlichkeit.

Im Stil einer »True Crime«-Story erfährt das Publikum von »DJ Fingerblast«, einem EDM-DJ, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Musikidol seiner Kindheit zu finden, um dieses auf seiner Hochzeit auflegen zu lassen. Bei diesem Musikidol handelt es sich um niemand anderen als ausgerechnet den Reverend. DJ Fingerblast gelangt zu dem Schluss, dass ein Mann von Waynes Brillanz Opfer einer feministischen Verschwörung sein muss, und schließt sich mit dem Männerrechtler Fran Dodd zusammen, dessen betroffenheitsmaskulinistisches Gejammer einem so bekannt vorkommt, das einem das Lachen vergeht. Gemeinsam versuchen sie, den Reverend zu befreien und sich gegen all jene Frauen zu wehren, die ihnen vermeintlich Zeit ihres Lebens unrecht getan haben.

Ob ihnen dies gelingt, werden wir wohl nicht erfahren, bis - in der zweiten Jahreshälfte oder kommendes Jahr - der zweite Teil der vierten Staffel veröffentlicht wird.

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