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Laos verfehlt Entwicklungsziel

Laut UNO ist das südostasiatische Land auf einem guten Weg, kann aber erst 2024 den LDC-Status ablegen

  • Von Alfred Michaelis, Vientiane
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die gute Nachricht zuerst: Nach Angaben der Vereinten Nationen hat die Demokratische Volksrepublik Laos 2018 erstmals zwei der drei Kriterien für die Überwindung des Status eines der wenigsten entwickelten Länder der Erde (LDC) erfüllt. Das Land steht damit neu auf der Liste der Länder, die das unterste Entwicklungsniveau der Welt hinter sich lassen können. Die UNO überprüft dies alle drei Jahre. Nur, wer in zwei aufeinanderfolgenden Prüfzyklen bei Bruttonationaleinkommen, Index der menschlichen Entwicklung (Human Assets Index, HAI) und »Verwundbarkeit der Wirtschaft« (Economic Vulnerability Index, EVI) in wenigstens zwei Bereichen die von der UNO festgelegten Parameter übertrifft, kann nach weiteren drei Jahren offiziell von der LDC-Liste gestrichen werden.

Dies schlugen die UNO-Experten des zuständigen Komitees für Entwicklungspolitik dieses Mal für Bhutan, Sao Tomé & Principe und die Salomonen vor. Bei der UNO hat man sich viel dabei gedacht, damit der auch im Fußball bekannte Fahrstuhleffekt von häufigen Auf- und Abstiegen nach Möglichkeit vermieden wird. Deshalb wurde für Nepal und Osttimor selbst nach der zweiten Erfüllung der Indikatoren die Streichung von der Liste nicht empfohlen. Zu groß ist die Gefahr eines Rückschlags in der Entwicklung.

Im Falle Laos heißt dies, dass das Land bei weiterer erfolgreicher Entwicklung frühestens im Jahr 2024 den Status der Unterentwicklung überwunden haben wird. Und da genau liegt das Problem, denn dies sind vier Jahre später als das schon 1996 von der Revolutionären Volkspartei beschlossene Ziel 2020, das seitdem Grundlage aller Entwicklungsstrategien und Fünfjahrpläne war. Hatten bis vor kurzem Funktionäre und Medien noch auf der magischen 2020 beharrt, so räumte Premierminister Thongloun Sisoulith jetzt vor dem Parlament ein, dass der Termin nicht zu halten ist.

Das soll die großen Erfolge der kleinen Volksrepublik keinesfalls schmälern. Hohe jährliche Wachstumsraten von um die sieben Prozent ließen das Nationaleinkommen pro Kopf mit inzwischen 1 996 Dollar deutlich über den Mindestwert für das Verlassen der LDC-Gruppe von 1 230 Dollar steigen. Hatte Laos 2015 die Millennium-Entwicklungsziele vor allem beim Indikator Kinder- und Müttersterblichkeit deutlich verfehlt, so ließen Fortschritte bei Schulbesuch und Alphabetisierung nun den Human Assets Index erstmals über die Zielmarke klettern. Ein landesweites Programm der kostenlosen Schwangerenberatung und -betreuung soll inzwischen helfen, die weiter kritische Situation bei der Müttersterblichkeit zu verbessern.

Größte Sorge macht den Entwicklungsexperten die ökonomische Verwundbarkeit. Hier macht sich vor allem die starke Abhängigkeit vom Rohstoffsektor bemerkbar, die Laos nicht nur den starken Schwankungen der Weltmarktpreise unterwirft, sondern bei Erschöpfung der Ressourcen dem ganzen Aufschwung ein jähes Ende setzen würde. Die Konzentration auf die Elektroenergieerzeugung für den Export, vor allem aus Wasserkraft, soll dies auffangen. Dieser Sektor bringt aber nur wenig Beschäftigung mit sich. Bemühungen in Thailand, bisher Hauptmarkt für den laotischen Strom, die Energiepolitik mit Blick auf Solar- und Windenergie einer kompletten Revision zu unterziehen, lässt zudem manche Projektidee wackeln. Der Tourismus - die laotische Regierung hat 2018 zum Visit-Laos-Year ausgerufen - ist gleichfalls starken Schwankungen unterworfen und zeigte zuletzt eher Stagnation. Bleibt die Diversifikation der industriellen Verarbeitung, eine Strategie, die eng mit den Leistungen des Bildungswesens zusammenhängt. So misst der Human Assets Index zwar Schulbesuch und Alphabetisierung, doch Investoren klagen immer wieder über den Mangel an qualifizierten Fachkräften.

So schlagen auch manche laotischen Fachleute inzwischen leisere Töne an und stellen die Überwindung des LDC-Status in Zusammenhang mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO, deren Zeithorizont bis 2030 reicht. Immerhin, so geben sie zu bedenken, ist die Streichung von der LDC-Liste meist auch mit dem Rückgang ausländischer Entwicklungshilfe und dem Verlust von Handelsprivilegien verbunden. So gesehen ist der Aufschub doch eigentlich keine ganz schlechte Nachricht.

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