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Befreiungsschlag mit Hindernissen

Die DFB-Elf kann nach dem Last-Minute-Tor von Toni Kroos aus eigener Kraft weiterkommen

  • Von Matthias Koch, Sotschi
  • Lesedauer: 4 Min.

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In der Schlussphase der WM-Partie zwischen Deutschland und Schweden schien Joachim Löw der Verzweiflung nahe zu sein. Immer wieder fasste sich der Bundestrainer aus Verzweiflung an den Kopf, weil seine Mannschaft die sich bietenden Chancen nicht nutzen konnte. Und beim zwischenzeitlichen 1:1-Spielstand dürften auch Gedanken an das drohende WM-Aus aufgekommen sein.

Mit dem Rucksack der 0:1-Niederlage zum Auftakt gegen Mexiko in Moskau war die Aufgabe für die DFB-Elf immer schwieriger geworden. Erst recht, als Innenverteidiger Jerome Boateng in der 82. Minute wegen wiederholen Foulspiels die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. »Mir hat gefallen, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht die Nerven verloren und angefangen haben, hektisch zu spielen. Wir haben immer daran geglaubt, dass wir das Spiel noch drehen können«, sagte Löw.

Für den Urknall des schwülen Abends in der Fischt-Arena von Sotschi sorgte Mittelfeldmann Toni Kroos in der fünften Minute der berechtigten Nachspielzeit. Der gebürtige Greifswalder und vierfache Champions-League-Sieger von Real Madrid zirkelte die Kugel von der linken Strafraumlinie ins rechte obere Eck. Schwedens Torwart Robin Olsen streckte sich vergeblich. Kroos rannte im Jubelrausch wie besessen zur Seitenlinie zu den deutschen Fans, riss die Arme hoch und brüllte, ehe ihn seine Mitspieler einholten und im Nu unter sich begruben.

Der Treffer und der anschließende Freudenrausch auf dem Platz und den Rängen ließen Erinnerungen an das WM-Vorrundenspiel 2006 gegen Polen aufkommen. In Dortmund hatte seinerzeit Oliver Neuville mit seinem 1:0-Siegtreffer in der Nachspielzeit für einen kollektiven Rauschzustand gesorgt, der die Fans in ganz Deutschland mitriss. Spätestens mit dem fulminanten Tor von Kroos in Sotschi dürfte auch in der Heimat für viele Anhänger die WM so richtig begonnen haben. Die Liveübertragung im Fernsehen der ARD sahen 27,48 Millionen Menschen (Marktanteil von 76,6 Prozent).

Am Mittwoch (16 Uhr/MEZ) kann Deutschland in Kasan mit einem Sieg gegen Gruppenschlusslicht Südkorea den Einzug ins Achtelfinale aus eigener Kraft schaffen. Zeitgleich geht es zwischen Mexiko und Schweden um die Wurst. Ganz theoretisch kann sogar Südkorea noch das Achtelfinale erreichen. Es bleibt spannend.

In Sotschi war Deutschland zwischen der 32. und 48. Minute rein rechnerisch ausgeschieden. In dieser Zeit lagen die Schweden mit 1:0 in Front. Angreifer Ola Toivonen hatte sich gegen Innenverteidiger Antonio Rüdiger durchgesetzt und Torwart Manuel Neuer mit einem sehenswerten Heber überwunden. Die gewollten und ungewollten Veränderungen in der Weltmeistermannschaft brachten zunächst keine Tore.

Löw hatte im Vergleich zum schwachen Auftritt gegen Mexiko Sami Khedira und Mesut Özil auf die Bank beordert. Für sie durften erstmals Sebastian Rudy und Marco Reus von Beginn an ran. Zudem fiel Abwehrrecke Mats Hummels wegen eines verrenkten Halswirbels aus. Er wurde durch Antonio Rüdiger ersetzt. Weil Linksverteidiger Jonas Hector wieder fit war, musste Marvin Plattenhardt auf die Bank. Die nicht schlecht gestartete Löw-Elf verlor aber frühzeitig Rudy, der sich beim Zweikampf mit Toivonen die Nase brach und nach einer guten halben Stunde stark blutend vom Rasen musste.

Doch der Titelverteidiger kämpfte weiter. Für Impulse sorgten dabei die später eingewechselten Offensivleute Mario Gomez und Julian Brandt. Reus sorgte kurz nach Wiederbeginn nach Vorlage von Gomez mit dem Knie für das 1:1. »Man muss die Eier haben, um in der zweiten Halbzeit so zurückzukommen. Wir haben gekämpft und uns den Sieg verdient«, sagte Kroos nach dem Schlusspfiff. »Ich habe das Gefühl, dass es einige Leute gefreut hätte, wenn wir heute rausgegangen wären, aber den Gefallen tun wir denen nicht.«

Leider gab es unmittelbar nach dem Abpfiff unsportliche Reaktionen einiger DFB-Funktionäre. So jubelten Georg Behlau, Leiter des Büros der Nationalelf, und TV-Pressesprecher Ulli Voigt demonstrativ in unmittelbarer Nähe der schwedischen Bank. Das sorgte für eine Rudelbildung inklusive Schubser und Wasserdusche für Behlau. Der schwedische Nationaltrainer Janne Andersson beschwerte sich anschließend. Der DFB entschuldigte sich später dafür.

Das Fazit: Gegen Südkorea sollten die Spieler zur Schonung der Nerven aller Beteiligten die Partie besser früher entscheiden. Kolumne Seite 4

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