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IHK fordert Tempo bei Verkehrswende

Wirtschaftsvertreter wollen 4,5 Milliarden Euro zusätzliche Investitionen in Infrastruktur und Züge bis 2030

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«Der Hebel, um die Probleme des Wirtschaftsverkehrs zu lösen, ist der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs», sagt Jochen Brückmann, Bereichsleiter Stadtentwicklung der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK). Um ihre Forderung nach einem schnellen Ausbau des Nahverkehrs zu untermauern, haben die Wirtschaftsvertreter beim Beratungsunternehmen VerkehrsConsult Dresden-Berlin (VCDB) eine Studie zu aktuellen und prognostischen Engpässen bei U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn in Auftrag gegeben. «Das ist also kein Wünsch-Dir-was, sondern auf Grundlage detaillierter Untersuchungen», so Brückmann.

Gefordert wird die Beschaffung von knapp 400 zusätzlichen Einzelwagen für die S-Bahn, rund 250 für die U-Bahn sowie über 100 zusätzlichen Straßenbahnen über den Bestand hinaus bis 2030, um das Angebot ausweiten zu können. Rund 1,5 Milliarden Euro würde die Fahrzeugoffensive kosten, schätzt die IHK.

Wenn nichts geschieht, wird es sehr eng. Auf dem östlichen S-Bahnring, der S3 zwischen Köpenick und der Innenstadt sowie den Südästen von S2 und S25 prognostizieren die Forscher Auslastungen von über 120 Prozent im Berufsverkehr. Laut Senatsvorgabe sollte dieser Wert 65 Prozent nicht übersteigen. Bei der U-Bahn wären die U5 ab Friedrichsfelde stadteinwärts sowie die U7 zwischen Britz und Kreuzberg am stärksten belastet. Überlastete Straßenbahnen erwarten die Forscher in fast allen Außenbereichen. Bis 2030 fordert die IHK auch zusätzliche Strecken, vor allem die S-Bahn nach Falkensee sowie eine Vollendung der zweiten Nord-Süd-Strecke S21 von Wedding über Hauptbahnhof, Potsdamer Platz und Gleisdreieck zum Südring. Unter anderem soll die über die Sonnenallee führende Buslinie M41 auf Straßenbahn umgestellt und verlängert werden und im Endausbau vom Bahnhof Zoo bis zum Bahnhof Schöneweide führen. Zur Entlastung der Linie M4 wird eine Parallelstrecke über Michelangelo- und Hufelandstraße vorgeschlagen. Am Alexanderplatz wird die Planung kühn. Dort soll sie im Tunnel in den ungenutzten Gleisen der U5 enden, um den Knoten oberirdisch zu entlasten.

«Natürlich wäre es die beste Maßnahme, eine U-Bahn nach Weißensee zu bauen», sagt Lutz Kaden, Branchenkoordinator Verkehr bei der IHK. Doch angesichts der Kosten setze man zunächst auf die Straßenbahn. Allerdings haben die Wirtschaftsvertreter auch ein Herz für die im Bau mindestens zehnmal teurere Untergrundbahn. Die U1 soll zum Ostkreuz verlängert werden, die U6 einen Abzweig zum dann ehemaligen Flughafen Tegel bekommen, die U7 zum BER und in Spandau zur Rudolf-Wissell-Siedlung führen, die U8 ins Märkische Viertel und die U9 nach Pankow. «Es ist ein bisschen zu kurz gedacht, nur Straßenbahn bauen zu wollen», sagt Brückmann. «Wir hätten heute nicht so ein U- und S-Bahnnetz, wenn man damals beim Bau nur vier oder acht Jahre weit gedacht hätte», sagt er. Insgesamt gebe es «eine hohe Zielkongruenz zu den Senatsplänen. »Es geht uns vor allem um die Geschwindigkeit«, so Brückmann. Rund drei Milliarden Euro sollen die Infrastrukturmaßnahmen nach eher optimistischen IHK-Schätzungen kosten.

Die IHK fordert aber auch Sanierung und Ausbau des Straßennetzes. An erster Stelle den Weiterbau der A100 von Treptow nach Friedrichshain, die Tangentiale Verbindung Ost zwischen Wuhlheide und Biesdorf sowie die Südostverbindung zwischen A113 und Oberschöneweide.

»Was heute nicht investiert wird, kommt in Zukunft noch viel teurer«, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. »Vielleicht klappen die Maßnahmen alle nicht so schnell, aber sie müssen auf den Weg gebracht werden«, so Eder.

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