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Wie entstehen Kriege? Sind sie absehbar und zu vermeiden? Diese Fragen beschäftigen nicht nur Historiker, aber natürlich vor allem gerade auch ihre Zunft. Einer der grausamsten und für die Entwicklung Mitteleuropas folgenreichsten Kriege war jener, der von 1618 bis 1648 tobte und im Gedächtnis der Völker des Kontinents als der Dreißigjährige Krieg verewigt ist. In Wirklichkeit handelte es sich jedoch damals um mehrere sich überlappende und teilweise ablösende Kriege, wie Heinz Duchhardt in seinem Buch nachweist. Er zeichnet den Weg in die Katastrophe aus drei verschiedenen Perspektiven nach.

Zunächst untersucht er »Strukturen und Mentalitäten« in Europa zu Beginn des 17. Jahrhunderts, vor allem den mit der Reformation ausgelösten Streit der Konfessionen, zwischen Katholiken, Calvinisten, Lutheranern etc. Hinzu kam die verschärfte Konkurrenz zwischen zentralen und partikularen Machtansprüchen. Außerdem gab es damals eine »kleine Eiszeit« mit mehreren Missernten und daraus resultierenden sozialen Problemen.

In einem weiteren Kapitel stellt Duchhardt die entscheidenden Akteure und die »Komparsen« vor. Er porträtiert die Monarchen und Staatslenker der wichtigsten europäischen Länder, verweist auf deren Stärken und Schwächen sowie die dynastischen Verflechtungen und vielfältigen Konflikte, die sich aus ungeklärten Nachfolgeregelungen ergaben. Besondere Aufmerksamkeit erfährt der junge schwedische König Gustav Adolf, der während des Krieges eine zentrale Rolle spielen sollte. Sodann beschreibt Duchhardt die Schauplätze des Geschehens, die unübersichtliche Verfassung und zunehmende Erosion des »Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation«. Der auf dem Reichstag zu Augsburg beschlossene Religionsfrieden von 1555 hatte sich als brüchig erwiesen. Letztlich überlagerte der Kampf um Territorien und machtpolitischen Einfluss die Auseinandersetzung zwischen Reformation und Gegenreformation. Beispielhaft dafür sind die Rivalitäten um das Mare Balticum sowie das territorial zerklüftete Italien. Interessant, weil wenig bekannt, sind die Ausführungen des Autors zur Rolle von Siebenbürgen im Dreißigjährigen Krieg, eines kleinen multikonfessionellen Landes, das geschickt zwischen Habsburg und dem Osmanischen Reich operierte.

Duchhardts Fazit wird man zustimmen können: »Der Krieg der Kriege war vielleicht ... nicht unausweichlich; er hätte vermieden werden können, wenn sich schon damals ein anderes Verhältnis zum Frieden an sich und seiner moralischen Superiorität herausgebildet hätte. Aber er war für die Menschen wenigstens in der Mitte Europas dann auch keine Überraschung mehr: Er hatte sich lange genug angekündigt.« Harald Loch

Heinz Duchhardt: Der Weg in die Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges. Die Krisendekade 1608 - 1618. Piper, 254 S., geb., 24 €.

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