Schlaflos in Ústí

Mit »wohngeldfreien Zonen« wollen Tschechiens Städte überteuerte Mieten in Roma-Ghettos bekämpfen - angeblich. Der Effekt: Die Bewohner landen auf der Straße.

  • Von Nancy Waldmann
  • Lesedauer: ca. 7.5 Min.

Das tschechische Wort »Ubytovna« ist speziell. Ein Wort für eine Art schäbiges Hostel mit Dauergästen, ein teures Wohnheim für Arme. In der Klíšská-Straße 53 in der 93 000-Einwohner-Stadt Ústí nad Labem, eine knappe Stunde südlich von Dresden, steht eine solche Ubytovna, ein großes, heruntergewohntes Gebäude aus den 1920er Jahren, in dem 69 Bewohner leben. Die meisten sind seit vielen Jahren hier. Adam Kurey seit 13. Sein winziges Zimmer ist ganz oben. Seine Frau mit den fünf Kindern wohnt im ersten Stock in einem größeren Raum, 13 000 Kronen, umgerechnet 500 Euro im Monat, kostet das Zimmer, gut die Hälfte deckt ein staatlicher Wohngeldzuschuss.

Adams Kammer kostet 100 Euro, darin sind eine Dusche und eine kleine, nicht ausziehbare Couch, auf der der stämmige Mann mit dem Schnauzer nur in Embryohaltung liegen kann. Aber er schläft jetzt sowieso schlecht. Die Ubytovna schließt Ende Juni, dann muss seine Familie ausziehen. Die Bewo...


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