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  • Berlin
  • Prozess gegen Marek M.

Rigaer Straße 94 wieder vor Gericht

Ein Nachbar des linken Hausprojekts ist wegen Körperverletzung angeklagt / Seine Anwälte widersprechen der Darstellung der Polizei

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein Mann, drei Vorwürfe. In der Hauptrolle eine schwarze Adidashose mit weißen Streifen. Marek M., genannt Isa, ist wegen Beleidigung, Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Am Montag begann sein Prozess vor dem Amtsgericht Tiergarten. Interessant macht den Fall vor allem sein Kontext: Isa wohnt in der Rigaer Straße 94 in Friedrichshain. Obwohl er nicht im linken Hausprojekt, sondern in einer Erdgeschosswohnung im Vorderhaus lebt, war ihm am Montag die Unterstützung seiner Nachbarn sicher: Rund 30 Zuschauer hatten sich im Gerichtssaal eingefunden. Und weil alles, was mit der Rigaer Straße zu tun hat, immer eine Nummer größer behandelt wird als notwendig, fand auch dieser Prozess in Raum Nummer B129 statt, der größer ist als andere Verhandlungssäle, besser abgesichert und in dem Angeklagte in einem Glaskasten sitzen. Auch Isa, der seit drei Monaten in Untersuchungshaft sitzt, wurde zunächst hinter die Glasscheiben gesetzt. Die Richterin gab allerdings einem Antrag seiner Verteidiger statt, so dass Isa die Verhandlung schließlich doch noch an deren Seite mitverfolgen konnte.

Zur Last gelegt werden ihm drei Vorfälle von 2017 und 2018: Er soll einen Mann bewusstlos geschlagen, einen anderen zu Boden geworfen und gewürgt haben und einen Polizisten mit Pfefferspray besprüht und zu einem anderen Zeitpunkt mit dem Tode bedroht haben.

Fünf Zeugen waren für Montag geladen. Bis zur Mittagspause wurden lediglich zwei Polizisten angehört. Einen von ihnen soll Isa mit Pfefferspray beschossen haben, der andere war beim Vorfall dabei. Der Geschädigte stellte Anzeige - und nahm sie auch gleich selbst auf. Isas Anwälte machten vor Gericht auf mehrere wortgleiche Formulierungen in der Anzeige und der Zeugenaussage des Kollegen aufmerksam: Nicht nur beschrieben sie die Kleidung des Angreifers in exakt den gleichen Worten - jene schwarze Trainingshose mit weißen Streifen, dazu eine Funktionsjacke und eine Sturmmaske -, wobei sich der Geschädigte bei Nachfrage vor Gericht sehr genau an Details erinnerte, der zweite Zeuge hingegen gar nicht. Auch die Beschreibung der Tatumstände glich sich aufs Wort. So sollen beide den Satz »Anschließend wurde die Eingangstür ge- und hörbar verschlossen.« notiert haben. Und das, obwohl beide meinten, die Texte unabhängig voneinander verfasst zu haben.

Zwei weitere Verhandlungstermine sind für den Fall angesetzt. Beim zweiten Termin soll auch der Hund des Angeklagten Thema werden. Dem soll, so hieß es bei einer Kundgebung in der Rigaer Straße Mitte April, ein Mann mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen haben. Der gleiche Mann soll Isas Frau bedroht haben. Isa habe ihn daraufhin überwältigt und nicht, wie es in der Anklage heißt, niedergeschlagen. Auf der Internetseite einer »Soligruppe für Isa und Nero«, der ebenfalls von der Polizei verhaftet wurde, werden die Vorwürfe als polizeiliche Strategie bezeichnet, um die Solidarität von Nachbarn des Hausprojekts zu schwächen.

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