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Ex-Mafia-Jäger

Personalie

Als »Schäubles Mafia-Jäger« titulierte die »Bild«-Zeitung vor einem Jahr Andreas Bardong. Der Jurist war gerade zum ersten Chef der neuen Spezialeinheit beim Zoll ernannt worden, die Geldwäsche in Deutschland bekämpfen soll. Ein Jahr später hat er nun das Handtuch geworfen - Beobachter meinen, das Chaos in der Stelle sei nicht in den Griff zu kriegen.

Die vom damaligen CDU-Finanzminister geschaffene Financial Intelligence Unit (FIU) soll Verdachtsmeldungen von Geldwäsche effizient bearbeiten und an die Strafverfolgungsbehörden weitergeben. »Wir haben es zu tun mit organisierter Kriminalität, Korruption, Wirtschaftskriminalität. Und mit der Finanzierung von Terrorismus«, erklärte Bardong die Bedeutung der FIU. Dabei geht es nicht um Kleinkram: Auf rund 100 Milliarden Euro wird Europas größer Schwarzgeldmarkt jährlich geschätzt. Kritikern zufolge ist Deutschland dank vertraulicher Steuerinformationen und mangelnder Kontrolle ein besonders gutes Versteck für Kriminelle.

Für die wichtige Aufgabe wurde ein erfahrener Jurist auserkoren: Bardong, der in Saarbrücken und an der University of Michigan studiert hatte, war nach Anwaltstätigkeit in Brüssel seit 2001 beim Bundeskartellamt tätig, zuletzt als Leiter des Referats Fusionskontrolle. Doch seine neue Arbeit litt von Anfang an unter Personalmangel. 100 Mitarbeiter hatte die FIU zuletzt, Experten halten die fünffache Zahl für notwendig. Da zudem anfangs die Software fehlerhaft war, gingen viele Hinweise von Banken, Autohändlern, Kunsthäusern und Maklern per Fax ein; studentische Hilfskräfte sichteten diese. Vor einigen Monaten brachte eine Anfrage des LINKE-Abgeordneten Fabio De Masi an den Tag, dass Zehntausende Verdachtsmeldungen unbearbeitet seien. Das Ministerium versprach zwar, den Stau aufzulösen, indem etwa Zollbeamte zu der Stelle abkommandiert wurden. Doch geholfen hat dies wenig.

Bardong sprach zunächst von Übergangsschwierigkeiten. Sein Ausscheiden deutet darauf hin, dass er dies nun anders sieht. Ein Nachfolger hat sich offenbar noch nicht gefunden. Kein Wunder.

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