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Lasst uns die Akropolis zerstören!

Christos Chryssopoulos versucht sich an einer anarchistischen Idee

  • Von Friedemann Kluge
  • Lesedauer: 2 Min.

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Der griechische surrealistische Dichterphilosoph und Anarchist Nikos Kalogeropoulos hatte die Idee im Jahre 1935 als erster: Die hoch über der griechischen Hauptstadt thronende Akropolis einfach mal in die Luft zu sprengen. Ernsthaft übernommen wurde dieser Gedanke 1944 von seinem ebenfalls dem Surrealismus verpflichteten Dichterkollegen Jorgos V. Makris, der, 1923 geboren, 1968 Suizid beging. Erreichen wollten sie und einige Gesinnungsgenossen damit, vereinfacht dargestellt, dass die unzähligen Touristenmassen nicht nur die griechischen Altertümer bestaunen, sondern ihre Blicke auf Griechenland und seine Probleme werfen sollten. (Denkfehler dabei: Ohne Altertümer wahrscheinlich weniger Touristen und folglich auch weniger Blicke auf griechisches Elend!).

Das zerstörerische Manifest des Jorgos V. Makris beginnt mit den Worten: »Beschließen wir 1. Uns eindeutig dem Ziel zu verschreiben, antike Denkmäler in die Luft zu sprengen und schonungslose Propaganda gegen Altertümer und jedwedes Objekt, das auf unser Missfallen stößt, zu betreiben.«

Christos Chryssopoulos hat den Versuch unternommen, diese Gedanken literarisch Wirklichkeit werden und die Akropolis von ihrer Höhe verschwinden zu lassen. Ich sage: »Versuch«, denn mehr ist tatsächlich nicht dabei herausgekommen. Er analysiert die Gedanken des Täters, der bei ihm »Ch. K.« heißt und für sich in Anspruch nimmt, etwas Sinnvolles getan zu haben: »Ich wollte nicht zerstören. Ich verfolgte nicht den Zweck, uns einer Kostbarkeit zu berauben. Es verlangte mich nur danach, uns von dem zu befreien, was als unübertroffen vollkommen angesehen wurde.«

Chryssopoulos führt seinen Ch. K. der gerichtlichen Untersuchung zu, lässt dabei Zeugen zu Wort kommen, führt Indizien und Beweismaterial auf, sorgt für die Bestrafung des Täters und endet mit einer »Moral von der Geschichte«.

Der Leser aber fragt sich, was an diesem Büchlein denn nun »Roman« sei. Ein Großteil des Buches ist schlicht und ergreifend einfach dokumentierend-zitierenden Charakters, vom Autor lediglich passend kompiliert. Alles Übrige ist eher essayistisch einzuordnen.

Nein, ein Roman ist das nicht! Lassen wir es als ein nicht einmal ganz ungeschickt zusammengestelltes Sachbuch zu einem doch recht randständigen Segment der neueren griechischen Geschichte durchgehen!

Christos Chryssopoulos: Parthenon. Roman. Aus dem Griechischen von Theo Votsos. Haymon, 97 S., geb., 19,90 €.

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