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Nach der Show

Annika Scheffel führt uns durch eine trostlose Welt in einer unbestimmten nahen Zukunft

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Dystopische Science-Fiction-Stoffe erfreuen sich derzeit bei jungen deutschen Autorinnen und Autoren großer Beliebtheit. Das jüngste Beispiel ist der Roman »Hier ist es schön« der 1983 geborenen und in Berlin lebenden Annika Scheffel. Darin geht es in einer unbestimmten nahen Zukunft um zwei junge Menschen, die an einer Spielshow teilnehmen und als Gewinner in den Weltraum geschossen werden sollen, um perspektivisch das Überleben der Menschheit auf einem anderen Planeten abzusichern, den es zu besiedeln gilt. Aber kurz vor dem geplanten Start entscheiden sich die beiden medial weltweit gefeierten Stars Irma und Sam, aus ihrem goldenen Vogelkäfig auszubrechen.

Die beiden Endzwanziger, die zehn Jahre Teil der mitunter brutal inszenierten Spielshow waren, machen sich auf den Weg durch eine apokalyptische Welt. Sie wollen eine geheimnisvolle Insel suchen, die angeblich noch nicht unter den Verfallserscheinungen leidet wie der Rest des heruntergewirtschafteten und ökologisch desaströsen Planeten. Vielleicht gibt es die sagenumwobene Insel am Ende aber auch gar nicht, und sie ist nicht mehr als eine Kindergeschichte. Oder dort wartet irgendetwas auf den geheimnisvollen Sam, der keine Vergangenheit zu haben scheint und von dem keiner genau weiß, woher er kommt. Manche glauben sogar, er wäre gar kein Mensch.

Annika Scheffel greift mit dem Motiv der medial inszenierten Spielshow auf ein Erzählelement zurück, das in den vergangenen Jahren nicht nur in mehrteiligen, auch verfilmten Jugendromanen wie »Tribute von Panem« oder »Maze Runner« verwendet wurde, sondern unlängst auch von dem österreichischen Schriftsteller Doron Rabinovici in »Die Außerirdischen«. Bei Annika Scheffel liegt der Fokus weniger auf den konkurrenzbasierten sozialen Ausschlussmechanismen, sondern vielmehr auf dem Innenleben der Figuren. Die stellen ihren erreichten Sieg in der Show und den damit erkämpften Status plötzlich infrage und wollen dem Hamsterrad entfliehen. Die verheißungsvolle Reise zu den Sternen, der Rang der Auserwählten, das macht ihnen Angst und lässt sie zweifeln.

Stück für Stück legt Scheffel die Vorgeschichte frei. Sie erzählt, wie die jugendliche Irma sich für eine Bewerbung für die Spielshow entscheidet und welcher Konflikt mit Freunden und Familie daraus entsteht, weil sie ihrer Welt entflieht. Aber auch die Geschichte Sams, der angeblich an einer Küste angespült wurde und in einer Einrichtung aufwuchs, wird in Rückblenden eingeflochten, während die beiden durch eine heruntergekommene und vereinsamte Welt irren.

Annika Scheffel deutet die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen ihres apokalyptischen literarischen Kosmos nur an. Es regnet viel, die Autobahnen sind leer, Lebensmittel sind rar, die an Mangel leidende Gesellschaft regrediert. Damit kontrastiert sie die aalglatte, perfektionistische Welt der Spielshow, in der alle Mitarbeiter Masken tragen.

»Hier ist es schön« wirkt mitunter wie eine Mischung aus Märchen, surrealistischem Theaterstück und Science-Fiction, wobei der Text mitunter seine Längen hat. Irma und Sam wandern durch eine künstlich wirkende Welt, treffen auf Menschen aus Irmas Vergangenheit und werden immer wieder von den Masken tragenden Häschern der Spielshow verfolgt. Die Geschichte der Verfolgten und der Verfolger wirkt manchmal etwas zu simpel in diesem sehr ambitionierten Roman, der auch großartige Bilder einer schleichend untergehenden Welt entwirft. Am Ende wartet die Autorin aber dann mit einer überraschenden Wendung auf, sodass es bis zur letzten Seite spannend bleibt.

Annika Scheffel: Hier ist es schön. Roman. Suhrkamp, 350 S., geb., 22 €.

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