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Abwarten und Tee trinken …

Höhle in Thailand: Die Hoffnung für 13 Eingeschlossene ruht vor allem auf zwei englischen Tauchern

  • Von Reiner Oschmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Hoffen und beten, warten und Tee trinken - die Rettung von zwölf thailändischen Jungen und ihrem Trainer, seit zwei Wochen in der überfluteten Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands eingeschlossen, ist jetzt in ihrer wohl schwierigsten Phase. Und kann dauern.

Zwar ist das Fußballteam, das bei Monsunregen am 23. Juni Unterschlupf im Höhlensystem gesucht hatte, von der Außenwelt abgeschnitten wurde und neun Tage vermisst war, nun geortet worden. Doch die Rettung selbst steht vor vielen Hindernissen: Die Jungen zwischen 11 und 16 sowie ihr 25-jähriger Trainer sitzen fünf bis sechs Kilometer vom Höhleneingang entfernt fest, nachdem sie von ansteigenden Wassermassen eingeschlossen wurden. Trotz tagelangen Abpumpens durch die Armee sank der Pegel in der verwinkelten, weithin horizontal verlaufenden Höhle zuletzt nur marginal. Die Eingeschlossenen sind körperlich geschwächt und seelisch unter Dauerstress. Sie wurden inzwischen mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt. Eine Telefonleitung sichert den Kontakt zwischen den Jungen und ihren Angehörigen. Und die Jugendlichen sollen trainiert werden, streckenweise Richtung Höhlenausgang, Tageslicht und Freiheit zu tauchen.

Hier kommen zwei britische Höhlentaucher ins Spiel, die sich bereits bei der Ortung der Vermissten Hauptverdienste erwarben: Richard Stanton und John Volanthen sind die Köpfe der Suchmannschaft von Spezialkräften der thailändischen Marine. Sie hatten in den Tagen der Ungewissheit, wo genau in dem Labyrinth die Vermissten sich aufhalten und ob sie leben, selbst mehrere Tage gebraucht, sie ausfindig zu machen. Vor der Entdeckung hatten Stanton und Volanthen einen von Schlamm blockierten Tunnel beräumen müssen. Bill Whitehead vom BCRC, der britischen Organisation zur Rettung von Höhlenopfern, erklärte, beide seien »die letzte Strecke bis in eine Höhlenkammer getaucht, wo die Vermissten auf einer Felsbank über dem Wasser Zuflucht gefunden hatten«.

Stanton und Volanthen nehmen freiwillig an der Großaktion in Thailand teil und zählen zu den Weltbesten bei Rettung und Bergung von Höhlenopfern. Beide verweisen auf über 35 Jahre Erfahrung im Extrem-Höhlentauchen und gelten als Experten für Tauchen bei geringster Sichtweite und in engsten Höhlenabschnitten. Mittfünziger Stanton ist Feuerwehrmann aus Coventry. Er besitzt Erfahrung in Trocken- wie Unterwasserhöhlen und zählt als bester seines Fachs in Europa. Vor sechs Jahren ehrte ihn die Queen mit dem Verdienstorden MBE (Member of the British Empire). Hobby-Marathonläufer John Volanthen arbeitet als Computeringenieur und lebt in der südwestenglischen Hafenstadt Bristol. Er hat sich vor allem einen Namen mit der Entwicklung neuer Tauchausrüstung gemacht. Sie erlaubt Höhlentauchern, länger und in größeren Tiefen unter Wasser zu bleiben. Volanthen trieb zudem die sogenannte Rebreather-Technologie zu neuen Grenzen. Das Kreislaufatemgerät beruht darauf, dass die Atemluft von Tauchern »recycelt« und so erneut genutzt werden kann. Fachleute gehen davon aus, dass die zwei Briten diese Atemtechnik auch in dem zehn Kilometer langen Höhlensystem von Tham Luang anwendeten.

2010 war das Extremtaucherpaar von der französischen Regierung angefordert worden, um den namhaften französischen Taucher Eric Establie zu retten. Der war in der Ardeche-Höhle nahe Marseille von einer Schlammlawine überrascht und verschüttet worden. In einem achttägigen Himmelsfahrtkommando bargen die Briten den Leichnam des Verunglückten.

Auch die norwegische Polizei rief die Experten aus England an, als vor vier Jahren die Leichen zweier Taucher im Höhlensystem von Steinugleflaget in Mittelnorwegen zu bergen waren. Hier jedoch mussten Richard Stanton und John Volanthen kapitulieren: Die Opfer befanden sich abgeschnitten in über hundert Meter Tiefe. Der BBC sagte Stanton damals, die Bedingungen seien so gefährlich, dass sichere Bergung ausgeschlossen sei.

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