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Ein Hochhaus für Grünau - nach 30 Jahren

In Leipzigs größtem Neubaugebiet wird erstmals seit der Wende wieder in den Himmel gebaut

  • Von Heidrun Böger, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.

Eine Trendwende hat die Leipziger Wohnungsgenossenschaft Lipsia im Stadtteil Grünau eingeläutet. Nach Jahren des Abrisses und einer negativen Bevölkerungsentwicklung im größten Neubaugebiet der Stadt baut Lipsia wieder ein Hochhaus, Spatenstich war Mitte Mai. Es ist das erste überhaupt in Leipzig seit der Wende.

»Wir wollten den Grund und Boden optimal nutzen und haben uns deshalb entschieden, in die Höhe zu bauen«, erklärt Vorstands- chefin Kristina Fleischer. Früher stand hier ein Gebäude, das in so schlechtem Zustand war, dass die Lipsia es im Jahre 2007 abreißen musste. Es gab auch Fördermittel, verbunden mit der Auflage, zehn Jahre lang kein Gebäude auf der Fläche zu errichten. Die zehn Jahre waren 2017 vorbei, Grünau wächst wieder, es gibt einen Bedarf an Wohnungen vor allem für ältere Menschen.

Der »Lipsia-Turm« in der Bracke-straße/Ecke Miltitzer Allee soll 13 Etagen haben; die 60 Wohnungen von 30 bis 103 Quadratmetern werden in der Nähe des Kulkwitzer Sees entstehen. Die Planer wollen keine langen Gänge, von denen Türen abgehen und haben sich deshalb für kleinere Einheiten auf jeder Etage entschieden mit jeweils einem Aufenthaltsraum. Der soll einen eigenen Balkon haben und als Treff für die Bewohner der fünf bis sechs Wohnungen pro Etage dienen.

Geplant ist ein Wohnservice, im Sockel-Bereich des Hochhauses zudem eine Cafeteria. Ein Dienstleister (wer das sein wird, steht noch nicht fest) soll vor Ort Leistungen für den Haushalt und für die Gesundheit anbieten, also zum Beispiel Essen, Wohnungsreinigung, Begleitung bei Arztbesuchen, Erledigung von Besorgungen. Der Lipsia-Club bietet dann Gelegenheit für geselliges Beisammensein, wichtig gerade im Alter. Das neue Haus wird günstig platziert, Einkaufszentrum, Ärztehaus und Apotheke sind in der Nähe.

Der Altersdurchschnitt der Lipsia-Genossenschaftsmitglieder liegt bei über 60 Jahren, entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Wohnungen in diesem seniorenfreundlichen Hochhaus. Kristina Fleischer: »Wir haben bereits über 200 Interessenten. Aber auch junge Leute sind willkommen.« Die Miete soll bei zehn Euro kalt liegen, dazu kommen Betriebskosten von 1,80 Euro und eine Service-Pauschale von zwei Euro, die auch jüngere Mieter zahlen müssen. Gedacht ist die Pauschale unter anderem für den Concierge im Haus. Der 13-Geschosser kostet 12,5 Millionen Euro und wird zu 65 Prozent aus Eigenmitteln der Lipsia finanziert - eine hohe Quote, die Planungssicherheit gibt. In Leipzig-Grünau verfügt die Lipsia über etwa 3000 Wohneinheiten, sie ist damit unter den Wohnungsgenossenschaften der größte Anbieter im Neubaugebiet. Insgesamt hat die Lipsia in der Stadt Leipzig etwa 8000 Wohneinheiten.

Die Wohnungsgenossenschaft hat auch in den vergangenen Jahren gebaut. Von 2008 bis 2010, als vom jetzigen Bauboom noch nichts zu sehen war, entstanden im lukrativen Gohlis die sogenannten Rosental-Terrassen. In Grünau baute die Lipsia 2014/15 die Kulkwitzer See-Terrassen mit 48 Wohnungen.

Vorstandschefin Kristina Fleischer: »Wir wollen unser Portfolio ständig erweitern.« Sie sieht die Zukunft des Neubaugebietes positiv und meint, dass vieles auch schlechtgeredet wurde in der Vergangenheit: »Dabei ist ein Großteil der Häuser hier saniert, die Lebensqualität hoch.«

Lebten im Jahre 1989 noch 85 000 Menschen in Grünau, sank die Zahl bis 2011 rund 40 000. Fünf Jahre später waren es schon wieder knapp 44 000, Tendenz - voraussichtlich - leicht steigend. Zuvor wurden von den bis 1988 in Grünau errichteten 20 Punkthochhäusern 15 abgerissen, alle waren im Besitz der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB). Gerade die Hochhäuser machten viele Probleme.

Die Baupreise in Leipzig sind in letzter Zeit enorm gestiegen. Dennoch liegt der Bau des neuen Lipsia-Hochhauses zeitlich im Plan, die Fertigstellung ist für Ende kommenden Jahres vorgesehen.

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