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Keine Einigkeit beim Mindestlohn

Ökonomen diskutieren über die Auswirkungen der gesetzlichen Lohnuntergrenze

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 3 Min.

Ist der Mindestlohn nun gut oder schlecht? Darüber streiten sich derzeit die Ökonomen, nachdem die Mindestlohnkommission vergangene Woche für die seit 2015 bestehende gesetzliche Lohnuntergrenze eine Anhebung in zwei Schritten vorgeschlagen hat - von derzeit 8,84 auf 9,35 Euro pro Stunde brutto in 2020. Für die Wirtschaftsforscher steht vor allem eine Frage: Ist der Effekt auf die Konjunktur, den Arbeitsmarkt oder die Löhne der Geringverdiener positiv oder negativ?

Dabei ist manches Thema rund um den Mindestlohn noch gar nicht so gut erforscht, wie eine Konferenz beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) diese Woche in Berlin zeigte. Zum Beispiel die Auswirkung der Lohnuntergrenze auf Solo-Selbstständige. Ein Team des Zen- trums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) arbeitet derzeit dazu. Doch ist es bisher sehr vorsichtig mit seinen Erkenntnissen. Es untersuchte den Effekt der Einführung branchenweiter Lohnuntergrenzen bei Malern, Dachdeckern, Elektrikern und im Bauhauptgewerbe. In diesen vier Wirtschaftszweigen wurden branchenweite Lohnuntergrenzen bereits Ende der 1990er beziehungsweise Anfang der 2000er Jahre eingeführt.

Die ZEW-Forscher stellten sich die Frage, ob der Mindestlohn Auswirkungen auf die Beschäftigten und den Anteil der Solo-Selbstständigen in diesen Branchen hatte. Sie kamen vorerst zu dem Ergebnis, dass es im Bauhauptgewerbe, bei Malern sowie Dachdeckern Einbußen bei der Beschäftigung und einen höheren Anteil von Solo-Selbstständigen in diesen Branchen gab. Die Hypothese der Ökonomen ist, dass die Angestellten quasi in die Selbstständigkeit gedrängt wurden und de facto Einkommenseinbußen hinnehmen mussten. Doch merken sie an, dass diese Lohngrenzen in einer Zeit eingeführt wurden, in der die Baubranche gerade in der Krise steckte. Ihre Ergebnisse sind also nur schwer auf die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes anwendbar, weil die Wirtschaft 2015 insgesamt bereits im Aufschwung war.

Für Markus Grabka vom DIW ist indes der wichtigste Effekt des Mindestlohns der Rückgang von Minijobs. Doch hat dies keineswegs zu mehr Arbeitslosigkeit geführt, wie Wirtschaftslobbyisten vor der Einführung gewarnt hatten. Schließlich wurde der Effekt durch mehr sozialversicherungspflichtige Jobs kompensiert. »Wenn am Ende mehr und bessere Jobs herauskommen, dann ist das positiv«, so Grabkas Fazit. Er sieht den Mindestlohn als arbeitsmarkt- und sozialpolitisch notwendig an. »Allerdings hält sich sein ökonomischer Effekt in Grenzen«.

Das DIW veröffentlichte diese Woche eine Studie, derzufolge der Mindestlohn zwar zu einem spürbaren Anstieg bei den niedrigen Stundenlöhnen geführt hat. Am Ende des Monats haben jedoch Geringverdiener kaum mehr in der Tasche, weil sich gleichzeitig ihre Arbeitszeit verkürzt hat. Eine mögliche Erklärung des DIW dafür: Um die durch den Mindestlohn gestiegenen Arbeitskosten zu senken, haben die Arbeitgeber ihren Beschäftigten eine Reduzierung der Arbeitsstunden aufgezwungen.

Unterdessen sieht das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) für die gesamte Wirtschaft einen positiven Effekt. Einer diese Woche veröffentlichten IMK-Studie zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt mit Mindestlohn um 0,25 Prozent höher als ohne, weil nicht nur Geringverdiener von der gesetzlichen Lohnuntergrenze profitieren, sondern alle Beschäftigten. Dies kurbelt den privaten Konsum an, was wiederum zu Wirtschaftswachstum führt.

Dabei sieht IMK-Chef Gustav Horn keinen direkten Widerspruch zwischen den Erkenntnissen seines In- stituts und denen des DIW. So haben die DIW-Forscher Horn zufolge die Effekte auf die einkommensschwächsten zehn Prozent untersucht, während die IMK-Ökonomen. die Gesamtwirtschaft im Blick haben. Auch Horn sieht, dass die Unternehmen die Stundenzahl bei Minijobs reduziert haben, um diese als Minijobs mit maximal 450 Euro zu erhalten. »Im Rest der Wirtschaft ist dies nicht der Fall und folglich steigen die Einkommen«, so Horn.

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