Wiederkehr der Schande

Vor 80 Jahren scheiterte die Zivilisation auf der Konferenz in Évian Im Umgang mit Flüchtlingen entscheidet sich auch die Schicksalsfrage des 21. Jahrhunderts

  • Von Heiko Kauffmann
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Im Juli 1938 trafen sich in Evian am Genfer See Delegierte von 32 Staaten, um über die Aufnahme der existenziell bedrohten jüdischen Flüchtlinge und Verfolgten des Nazi-Regimes zu beraten. Die Konferenz endete in einem Desaster: kein europäisches Land erklärte sich bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen oder wenigstens die Einreisebedingungen zu lockern.

80 Jahre später, Ende Juni 2018, trafen sich in Brüssel die Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Länder, um über die europäische Migrations- und Asylpolitik zu beraten und eine gemeinsame Strategie zur Lösung der »Flüchtlingskrise« zu verabschieden. Die Ergebnisse sind so niederschmetternd wie schockierend: Im Fokus der Richtlinien und Beschlüsse stehen Ausgrenzung, Abschreckung, Schutzverweigerung, Abwehr und Auslagerung des Flüchtlingsschutzes.

Ein Déjà-vu der Schande - dieser Gipfel wird 80 Jahre nach Evian als Gipfel der Inhumanität, der Ignoranz und des Zynismus in die Ges...


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