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Stimmung bei Straßenbahnern: »Is mir egal«

BVG antwortet auf Offenen Brief von Belegschaftsvertretern

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

»Is mir egal«, so lautete der Refrain des Ende 2015 im Internet veröffentlichten Werbeclips der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Diese drei Worte treffen die Stimmung unter den Berliner Straßenbahnern sehr gut, sagt ein Fahrer, der seit den achtziger Jahren gelbe Bahnen durch die Stadt steuert. »Wir wollen einfach nur unsere Dienstzeit absitzen und danach wieder unsere Ruhe haben«, so der Fahrer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er nehme sich da nicht aus, obwohl ihm der Beruf mal Spaß gemacht habe. Immerhin ab und zu sei das sogar immer noch so.

Am Mittwoch hatten die Beschäftigten in einem Offenen Brief an den BVG-Vorstand auf zahlreiche Missstände hingewiesen. Der hat am Freitag geantwortet. Man danke den Straßenbahnerinnen und Straßenbahnern »ausdrücklich für ihre große Leistung, ihre Kompetenz und Leidenschaft«, schreibt der Vorstand unter anderem. »Eine finanzielle Anerkennung der Leistung wäre gerade bei den schlechter bezahlten Neubeschäftigten viel willkommener, als so ein Standardsatz, den wir in schwierigen Zeiten immer wieder zu hören bekommen, aber nicht mehr hören wollen«, so der Fahrer.

Als einzelner Beschäftigter könne er die Zahlen, wie die Personalsituation bei Führungskräften im Betrieb genau aussehe, natürlich nicht beurteilen. »Fakt ist aber, das man manchmal tagelang keinen Gruppenleiter antrifft, der ja der direkte Ansprechpartner für die Fahrerinnen und Fahrer ist.« Bei ihm persönlich habe die letzte Zivilkontrolle durch die Fahrschule im Jahr 2014 stattgefunden. Vorgeschrieben ist diese einmal pro Jahr.

»Dass alle Dienste besetzt werden können, ist ein Märchen«, sagt der Fahrer. Es hingen teilweise mehrere A4-Seiten mit offenen Diensten aus, über Funk werde um Überstunden gebettelt. »Aber viele Kollegen, so auch ich, haben einfach keinen Bock mehr auf Überstunden, weil die ehrliche Anerkennung dafür fehlt.«

Beklagt wurden auch die vielen Langsamfahrstellen im Netz. »Im Sinne der Fahrgäste« könnten nicht zeitgleich zentrale Netzabschnitte gesperrt werden, heißt es im Vorstandsschreiben, außerdem bekomme man wegen der Marktlage im Bausektor nicht immer Auftragnehmer zum Wunschtermin. Der Fahrer führt die Situation eher auf die »jahrelang vernachlässigten Instandhaltung der Gleisanlagen« zurück. Einige Langsamfahrstellen existierten seit mehreren Jahren.

Die von der BVG betriebene Dienst- und Fahrplanplanung mit verschiedenen Fahrzeitprofilen funktioniere nur in der Theorie, erklärt der Straßenbahner. Oft seien Fahrzeiten und gesetzliche Pausenregelung in der Praxis nicht umsetzbar. »Die Blockpausen auf der Linie M10 sind teilweise so knapp geplant, dass es zu Kettenreaktionen kommt, die letztendlich dazu führen, dass die Pausen nachgeholt werden müssen und dadurch der Zug für bis zu eine Stunde ausfällt.« Der BVG-Vorstand will mit den Beschäftigten »im Gespräch bleiben«.

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