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»Ich werde eine große, große Mauer ...

Kathrin Gerlof hat herausgefunden, von wem Horst Seehofer lernen könnte, wie man Flüchtlinge loswird

  • Von Kathrin Gerlof
  • Lesedauer: 3 Min.

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... an unserer südlichen Grenze bauen.« Donald Trump mag das heimliche Vorbild von Horst Seehofer sein, der zu jung ist, sich an Zeiten vor seiner Geburt zu erinnern. Als 1939 das Transatlantikschiff »St. Louis« mit knapp 1000 jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland an Bord von allen Ländern, in denen es einlaufen wollte, abgewiesen wurde, waren noch zehn Jahre zu überstehen, bis Horst Lorenz Seehofer geboren wird. Also vielleicht eher Trump, die coole Sau. Wie er das mit den mexikanischen Einwanderern macht, davon kann ein deutscher Minister viel lernen.

Dieser Text soll den Heimatminister ermutigen, sich jetzt schnell für die kommenden Aufgaben fit zu machen. Auf die SPD ist kein Verlass, man sollte sie bis zum Ende der Koalition in Ruhe lassen. Denn gerade kommt ihr Zustand dem der Katze von Schrödinger sehr nahe, die zu 50 Prozent lebendig und zu 50 Prozent tot ist und man weiß es einfach nicht. Die halb lebendige SPD ist außerdem damit beschäftigt, die ungedeckten Schecks im Asylkompromiss (eine mörderisch gute Wortkombination) zu finden. Das bindet Kräfte. Horst Seehofer jedenfalls, der dem Begriff Heimat eine ganz neue Bedeutung gibt, weil da das Wort Heim drinsteckt, aus dem bald Transitzone, Lager oder Transitzentrum wird, muss jetzt viel lernen. Um zu tun, was er tun möchte.

Lagergestaltung, Lagerarchitektur. Ganz wichtig. Wie baut man solche Dinger, wie sollen sie aussehen, wie können sie so funktional wie möglich gestaltet sein? Jenseits möglicher schmiedeeiserner Lyrik über den Eingangstoren. (Da könnte zum Beispiel »Gute Heimreise« stehen. Ist aber nur ein Vorschlag.) Dem Heim@Minister sei anempfohlen, sich wenigstens einmal Sachsenhausen anzuschauen. Das Konzentrationslager. Es ist musterhaft gebaut und war ein ehrgeiziges Projekt. Ist geradezu aus dem Nichts entstanden, mitten im märkischen Kiefernwald. Gut, Bayern hat keine Kiefern, aber Wald. Am Elektrozaun in Sachsenhausen gab es sogar Blumenrabatten! Aber noch viel wichtiger ist: In Sachsenhausen kann man lernen, wie der ideale Grundriss für ein Lager aussieht, in dem Menschen aufbewahrt und entsorgt werden sollen, die unerwünscht sind. Das Geheimnis liegt im Dreieck. Horst Lorenz Seehofer, wähle für den Grundriss eines Lagers immer das Dreieck! Du brauchst dann nur drei Wachtürme, statt vier, und die Sichtachsen für die Bewacher sind weitaus besser angeordnet. In einem dreieckig angeordneten Lager lassen sich Meutereien, Unruhen und mögliche Verschwörungen gegen die Bewacher viel effektiver unter Kontrolle halten als beispielsweise in einem - sagen wir - Oktaeder.

Und jetzt noch mal Donald Trump. Auch mit dem sollte unser Heim@Minister reden. Der plant ja Lager in einer Größenordnung, davon können wir lernen. 47 000 Menschen sollen da reinpassen. Das muss Horst sich anschauen, auch wenn man sich gerade fragt, woher um Himmelswillen 47 000 Flüchtlinge, also Überlebende, kommen sollen, wenn Europa dicht ist wie die Experimentierbox, in der Schrödingers Katze zusammen mit einem instabilen Atomkern hockt und nicht weiß, ob sie tot ist oder lebt.

Aber möglicherweise wirkt die Entwicklungshilfe nicht so schnell, wie wir uns das wünschen. Rüstungskonzerne wie Rheinmetall mühen sich zwar sehr, ausreichend Zeug in die Krisengebiete zu exportieren. Doch auch wenn die sich dort alle gegenseitig totschießen (Hilfe zur Selbsthilfe ist ein sehr dehnbarer Begriff), es bleiben immer noch zu viele übrig. Und die werden kommen. Übers Meer. Sagt Seehofer, und Schrödingers Katze ist mit anderen Dingen beschäftig, sagt also lieber nichts. Heiko Maas (das ist unser Außenminister) hat vor drei Jahren getwittert: »Zäune lösen keine Probleme.« Das stimmt nicht. Ein Elektrozaun, im Dreieck gebaut und mit drei Wachtürmen versehen, kann sehr hilfreich sein. Nicht wahr, Horst Lorenz Seehofer?

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