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Finale, oh, oh

Abseits! Die Feuilleton-WM-Kolumne

  • Von Katja Herzberg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Finale, oh, oh

Es ist fast geschafft. Noch vier Partien trennen uns vom Ende dieser Weltmeisterschaft (die Autorin durfte noch vor Anpfiff des ersten Halbfinals zwischen Frankreich und Belgien am Dienstagabend in die Tasten hauen). Nur oder immer noch vier Spiele? In der letzten Woche des Turniers, das inzwischen unter »Expert*innen« als inoffizielle Europameisterschaft firmiert, mehren sich die Anzeichen der Erschöpfung ob der »besten WM aller Zeiten«.

Das fängt schon morgens in der Bahn an: Trikotträger*innen sind zur Ausnahme geworden. Das mag sicher auch an der verbliebenen Auswahl der Dressfarben liegen: Blutrot, Wandfarbenweiß, Hauptsachekariert oder Blauwienochnie. Den gemeinen Fußballfan spricht eben nichts mehr an als deutsches Schwarz-Weiß oder Bundeswehrgrün in der Auslandseinsatzvariante. Einzig im Supermarkt um die Ecke begegnen mir weiterhin WM-Shirts. Offenbar will da ein*e Chef*in noch immer ein Zeichen gegen die Partys zum Vorrundenaus des DFB-Teams setzen und nötigt die untergebenen Lohnarbeiter*innen, bis zum bitteren WM-Ende in »Fanbetreuer«-Shirts abzukassieren.

Ermüdungserscheinungen machen sich dagegen unter Gastronom*innen des Fanmeilen- und sonstigen Public-Viewing-Gewerbes breit. Mangels Zuschauer*innen und Bierkonsument*innen wurde mancherorts zuletzt bereits versucht, die Massen mit Freiluftkino zu locken. Oscarprämierte Streifen wie »Moonlight« oder »La La Land« sollen die Bilanz aufhübschen und helfen, die Tristesse leerer Liegestühle auf verbrannter Wiese vor Großbildleinwand zu vertreiben. Wieder andere haben wenig Mitleid mit den langen Gesichtern am Brandenburger Tor und freuen sich, bald erneut die tägliche Sightseeingtour mit dem privaten Pkw durch die Bundeshauptstadt machen zu können.

Und dann gibt es noch jene, bei denen das nahende Ende der Fußballfestspiele die Vorfreude auf die langersehnte Pause vom runden Leder zugunsten von Diskussionen über die wirklich wichtigen Dinge im Leben wachsen lässt. Wobei die vielen Aufreger dieses Turniers doch recht wenig mit Fußball zu tun hatten. Schon gar nicht mit der Freizeitbeschäftigung Stadionbesuch, auf die sich jetzt wiederum die Anhänger der Teams freuen, die keine Auswahlspieler*innen nach Russland zu schicken hatten.

Kurz wird es aber doch währen, das Fußball-Sommerloch. Einen Grund zur Freude kann ich darin nicht erkennen, angesichts der Erfahrungen aus den Vorjahren - sei es Griechenland-Erpressung, der zur »Flüchtlingskrise« stilisierte Sommer der Migration sowie der offenbar unaufhaltsame Rechtsruck, an den sich ein AfD-Erfolg bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr anschloss, den ich lieber nicht erlebt hätte.

Trost (wenn auch eher in schwächerer Intensität) spendet dennoch: Das verbale Umsichschlagen einiger Herrschaften wird mit dem Finaltag nachlassen oder - im besten Fall - uns gar nicht mehr erreichen. So wird mich Oliver Bierhoff wieder an Anti-Schuppen-Shampoo denken lassen. Reinhard Grindel könnte, statt auf einzelnen Nationalspielern herumzuhacken, den von ihm angestoßenen Fandialog mit den Ultras der Liga-Vereine fortsetzen. Lothar Matthäus hat keinen Anlass mehr, Fotos zu twittern, und findet bestimmt auch wieder irgendeine Beschäftigung, die nichts mit Fußball oder Politik zu tun hat.

Worauf ich mich als Twitter-Nutzerin jetzt aber am meisten freue: Die Schar der Kommentator*innen-Hasser*innen und ihre unlustigen Witzchen werden aus meiner Timeline verschwinden. Zu hoffen bleibt allerdings noch, dass dafür kein Absturz des Dienstes verantwortlich sein wird, weil der vom ZDF gekürte Finalkommentator Béla Réthy die völlige Enthemmung bei der Hetzergemeinschaft auslöst.

Egal, wie dieses Drama ausgeht, bei manchen ist jetzt kurz vor WM-Ende bereits alles auf Anfang gestellt. Der Zeitplan für den »Umbau der Nationalelf« steht, informierte die »Welt« zu Wochenbeginn - das Springermedium, das an Tag 27 der Weltmeisterschaft feststellte: »Beim Fußball geht es nur noch um Geld.«

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