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Haus der Jugend als »abstrakte Idee«

Die Schöneberger Freizeittreffs Potse und Drugstore sollen alternative Räumlichkeiten erhalten

  • Von Bosse Kröger und Philip Blees
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die selbstverwalteten Jugendtreffs Drugstore und Potse
Die selbstverwalteten Jugendtreffs Drugstore und Potse

Ein »Haus der Jugend« soll es werden. Seit mehreren Wochen wird in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg über ein neues Jugendprojekt diskutiert. Der Vorschlag: Es soll ein »eigenständiger, attraktiver und dauerhaft abgesicherter« Raum für Freizeitaktivitäten und die Jugendhilfe geschaffen werden, heißt es in dem Antrag, der vergangene Woche angenommen wurde. Anlass für die Diskussion lieferte die unsichere Zukunft der beiden Jugendtreffs Drugstore und Potse in der Potsdamer Straße 180. Nach einer drastischen Mieterhöhung Ende des vergangenen Jahres wollte der Bezirk, der die Zentren finanziert, die Miete nicht mehr bezahlen. Gentrifizierung und steigende Mieten machen offenbar auch vor dem Staat nicht halt.

Seit Jahren suchen der Bezirk und der gemeinnützige Trägerverein deshalb schon nach Alternativstandorten für Berlins ältesten selbstverwalteten Jugendtreff. Seit 1972 gibt es den Drugstore und den benachbarten Punkerladen Potse. Bislang war alles Suchen vergeblich. Um ein Ende der traditionsreichen alternativen Jugendarbeit in Schöneberg zu verhindern, entwickelten Abgeordnete der BVV die Idee, ein »Haus der Jugend« auf einer bezirkseigenen Grünfläche am Bülowbogen zu errichten. Auf diese Weise solle ein eigenständiger und dauerhaft von Mietsteigerung unabhängiger Raum für Jugendliche geschaffen werden.

Laut Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) verfolgt man damit auch ein größeres Ziel: Das Land solle wieder selber bauen. Es sei in der Vergangenheit leider zu viel verkauft worden. Die Folge: Nun sei man bei vielen Projekten abhängig von der Mietenentwicklung in der Stadt.

Martin Rutsch, jugendpolitischer Sprecher der LINKEN in der BVV, sieht dies allerdings nicht so positiv. »Das Problem ist, dass Jugend- und Gewerbenutzung vermischt werden«, sagt er. So sehe der Antrag eine gewerbliche Nutzung auf über der Hälfte der geplanten Fläche vor. »Kommerzielle Anbieter haben im Haus der Jugend nichts zu suchen«, findet Rutsch. Deshalb brachte er einen Ersatzantrag ein. Denn: »Ein Haus der Jugend sollte nur Jugendnutzungen beherbergen.« Daher fordert er in dem Antrag, dass nur die Jugendarbeit in den neu entstehenden Räumlichkeiten vorgesehen sein soll - eine andere Art der Nutzung soll baurechtlich ausgeschlossen werden.

Außerdem geht es der LINKEN darum, dass genügend Grünflächen vorhanden sind und vor allen Dingen auch die Jugendzentren Potse und Drugstore mit eingebunden werden. Die Sache mit dem »Haus der Jugend« sei eine »in die Jahre gekommene Idee«, findet der jugendpolitische Sprecher der Grünen im Bezirk, Marius Feldkamp. Das für den Bau ins Auge gefasste Grundstück habe sich aus Sicht der meisten Beteiligten ohnehin als ungeeignet erwiesen. Zudem hätte die zu erwartende Bauzeit von mindestens fünf Jahren das Projekt als Lösung für die von akuter Raumnot bedrohten Jugendtreffs ausgeschlossen. Zwar habe man die »abstrakte Idee«, ein »Haus der Jugend« zu erbauen, in der Bezirksversammlung wohlwollend quittiert. Der Beschluss nenne aber weder ein Grundstück noch einen Baukörper. »Es gibt berechtigte Gründe anzuzweifeln, dass sich überhaupt ein passendes Grundstück ausmachen lässt«, so Feldkamp. Mit den bedrohten Jugendtreffs hätte das Ganze laut Feldkamp aber ohnehin nichts zu tun.

Zur Lage der Jugendtreffs gibt es indes widersprüchliche Aussagen. Während Stadtrat Schworck meint, es wären bereits einzugsfertige Ausweichräume für beide gefunden worden, schlagen die Nutzer*innen ganz andere Töne an. »Wir haben bisher keinen Räumlichkeiten zugestimmt«, meint Domi vom Drugstore-Kollektiv, der keinen Nachnamen nennen möchte. Am liebsten würden die Nutzer*innen in der Potsdamer Straße bleiben. »Unsere Jugendarbeit ist um die jetzigen Räume herum gewachsen«. Ein Umzug falle daher schwer.

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