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Die Plastiktüten der Mafia

In Italien verdient das organisierte Verbrechen gut an Umweltverschmutzung

  • Von Anna Maldini, Rom
  • Lesedauer: 3 Min.

Jedes Jahr veröffentlicht die italienische Umweltorganisation Legambiente den Bericht »Ecomafia« (Ökomafia) zu den Umweltverbrechen, die von der organisierten Kriminalität verübt, unterstützt oder geduldet werden. Für das Jahr 2017 weist der Bericht wenige Sonnen- und viele Schattenseiten auf.

Auf die Habenseite kann man wohl den sprunghaften Anstieg der polizeilichen und juristischen Untersuchungen (plus 139,5 Prozent) und der Verhaftungen von Straftätern verbuchen. Auf der negativen Seite steht hingegen der »Umsatz« dieser kriminellen Geschäftsbranche, der heute 14,1 Milliarden Euro (plus 9,4 Prozent) beträgt. Der größte Anteil entfällt dabei auf den Handel mit Müll. 2017 wurden in diesem Bereich 76 Verfahren eingeleitet, 177 Personen verhaftet, fast 1000 angezeigt und 4,4 Millionen Tonnen Abfall beschlagnahmt, acht Mal so viel wie im Vorjahr. Würde man die in Lastwagen abfüllen, wäre das 181 000 Lkws in einer ununterbrochenen Schlange von 2500 Kilometern!

Die Abfallarten, mit denen das meiste Geld zu verdienen ist, sind Industrieschlamm, Feinstaub, Elektromüll, Plastik und Metall, aber auch Papier. Dabei geht es vor allem darum, dass der Müll nur scheinbar ordnungsgemäß abgebaut und recycelt, tatsächlich aber irgendwo verscharrt oder verbrannt wird, wodurch man Kosten und Steuern spart.

Weitere »Industriezweige« sind Waldbrände, Vergehen gegen die Artenvielfalt (vor allem Fischen im Mittelmeer) und illegales Bauen. Es gibt Schätzungen, die besagen, dass 2017 - auch hier vor allem in den süditalienischen Regionen - etwa 17 000 neue illegale Bauten errichtet wurden. Auch wenn es gelingt, die Konstruktionen zu stoppen, ist es extrem schwierig, diese so genannten »Ökomonster«, die häufig in landschaftlich besonders wertvollen Gegenden entstehen, dann auch wieder zurückzubauen oder zu sprengen. Den zuständigen Gemeinden fehlt das notwendige Geld und nicht selten auch der politische Willen. In diesem Sinne ist es interessant, dass allein in den diesem Jahr bereits 16 Gemeindeverwaltungen aufgelöst wurden, weil sie sich vollkommen in den Händen von kriminellen Gruppen befinden. So sieht Legambiente als wichtigste Werkzeuge der Ökomafia Einschüchterungen und Korruption.

Ein neuer Geschäftszweig betrifft die Herstellung und Vertreibung von Plastiktüten, die laut Gesetz inzwischen alle kompostierbar sein müssen. Im Durchschnitt (so eine Schätzung) sind 60 von 100 Plastiktüten nicht regelkonform und die meisten werden vom Einzelhandel und Marktständen in Umlauf gebracht. Allein in Neapel hat die Stadtpolizei 2017 1,6 Millionen »illegale« Tüten beschlagnahmt.

Fast die Hälfte aller Umweltverbrechen wurden in den vier »typischen Mafiaregionen« Kampanien, Sizilien, Apulien und Kalabrien verübt. Legambiente hat insgesamt 331 Mafiaclans ausgemacht, die in diesem Geschäft aktiv, wobei sich vor allem die kalabrische Ndrangheta hervorhebt, die wohl nicht nur in Italien, sondern europa- und sogar weltweit arbeitet. Immer wieder werden vor allem in afrikanischen Ländern ganze Halden mit italienischem Gift- und Elektromüll gefunden.

Der Vorsitzende von Legambiente Stefano Ciafani wünscht sich Folgendes: »Der Kampf gegen die Ökokriminalität muss eine der unverzichtbaren Prioritäten von Regierung, Parlament und aller Institutionen sein. Aber auch der gesellschaftlichen, wirtschaftliche und politischen Organisationen: Jeder muss verantwortungsbewusst seinen Teil beitragen.«

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