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Zurück zum Blau von 1893

Die berühmte Loschwitzer Elbbrücke in Dresden soll bis 2020 einen neuen Korrosionsschutz bekommen

  • Von Simona Block, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.

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Schon von weitem leuchtet der hellblaue Stahl der Brücke im Dresdner Osten. Zwischen ihren beiden Sandsteinpfeilern an den Ufern fließt träge die schmal gewordene Elbe hindurch. Wer die Flussquerung passiert, zu Fuß, per Rad oder motorisiert, dem bieten sich faszinierende Ausblicke, aber auch die Erkenntnis: Der Lack ist ein bisschen ab. Im Anstrich des berühmten Blauen Wunders, das am Sonntag vor 125 Jahren eröffnet wurde, finden sich braune Stellen. Nach dem Jubiläum soll die »alte Dame« aufgehübscht werden - im alten Stil.

Die unter Denkmalschutz stehende Brücke ist eines der Wahrzeichen Dresdens und eine unverzichtbare Verbindung zwischen den Stadtteilen Blasewitz und Loschwitz. Touristen schippern in der Saison auf Dampfern oder in Kajaks unter ihr hindurch, in ihrem Schatten wird gerastet, gefeiert, geküsst. Zuweilen steigen Teenager auf die Pylone, um Dresden bei Nacht anzuschauen, erzählt Reinhard Koettnitz, Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes.

Bei ihrer Fertigstellung wurde die Hängebrücke als Meisterleistung und »technisches Wunderwerk« gefeiert. Die Konstruktion ohne einen Strompfeiler und ihr Farbanstrich gaben der Loschwitzer Brücke den Namen Blaues Wunder. Die genietete Stahlgitterkonstruktion überspannt bei einer Gesamtlänge von 280 Metern eine Distanz von gut 140 Metern zwischen den Pfeilern und wiegt 3500 Tonnen. Als die Nazis sie im Frühjahr 1945 sprengen wollten, zerschnitten zwei mutige Bürger unabhängig voneinander die Zündkabel und bewahrten die Brücke vor der Zerstörung.

Sie ziert unzählige Postkarten, ist eines der beliebtesten Fotomotive der Kulturstadt, Kulisse für Selfies und längst auf vielen Kanälen im Internet präsent. Die Stadt investiert jährlich mindestens 120 000 bis 150 000 Euro in die Unterhaltung des Bauwerks, das bisher allen Elbefluten standhielt. Zum 100. Jubiläum hatten 3000 Dresdner die historische Belastungsprobe vom 11. Juli 1893 wiederholt. Damals standen laut einem Zeitungsbericht unter anderem »drei Dampfwalzen, sechs vierspännige Pferdewalzen, drei mit Steinen vollbeladene Straßenbahnloren, ein vollbesetzter Straßenbahnwagen, vier gefüllte Wassersprengwagen, drei Kutschen, fünf Pferde, ein beladener Materialwagen« auf dem Mittelteil der Brücke.

Heute passieren täglich 29 000 Fahrzeuge das Blaue Wunder, seit Eröffnung der umstrittenen Waldschlösschenbrücke stromab 5000 weniger als früher. »Es ist noch immer stark frequentiert«, sagt Koettnitz. In regelmäßigen Abständen werden die Belastung geprüft und die Restnutzungsdauer bestimmt, das nächste Mal 2025. Gesperrt werden muss die Brücke laut Koettnitz noch lange nicht. Zwar habe sie ein für Stahlbrücken hohes Alter und sei nicht ewig haltbar. »Aber ich gehe noch von mindestens 20 Jahren aus.« Erstmals nach einem Vierteljahrhundert bekommt das Bauwerk nun demnächst auch wieder einen frischen Anstrich. Für mehr als zehn Millionen Euro wird bis 2020 der Korrosionsschutz erneuert - nach originalem Vorbild blaugrau, wie Koettnitz sagt. »Wir haben überpinselte Reste aus der Entstehungszeit gefunden.« Mit dem Korrosionsschutz aus der Wendezeit verschwinde aber auch ein besonderes Stück deutscher Einheit, denn: »1989 wurde mit DDR-Farbe begonnen, bis 1991 dann mit West-Farbe gestrichen.« dpa/nd

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