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Pendelfähre nach Übersee

Bremen: Eine neue Schiffslinie auf der Weser soll Dauerstaus vermeiden helfen - der Senat trug bisher kaum zur Lösung der Verkehrsprobleme bei

  • Von A. Cäcilie Bachmann, Bremen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Dort, wo der Bremer Stadtteil Überseestadt entstanden ist, befand sich einst der Überseehafen, es gab Schiffs- und Fährverkehr auf der Weser. Auf dem Areal stehen heute hochpreisige Wohnquartiere, etliche Firmen haben sich angesiedelt, zumeist aus der IT-Branche, Handel, Verwaltung und Wohnungswirtschaft. Dieser Boom führt morgens und abends zum Verkehrskollaps in und um die Überseestadt, oft bis hin zu allen Autobahnzubringern in der Nähe. Die Bremer Politik sowie Wirtschaftsgrößen, die Niederlassungen oder ihre Haupthäuser im Überseequartier haben, diskutieren das Problem seit Jahren - ohne konkrete Ergebnisse.

Die täglichen Verkehrszusammenbrüche und vielen Stunden im Stau, die den Beschäftigten durch die lange An- und Abfahrt Arbeitstage von zwölf Stunden und mehr bescheren, schrecken nicht nur potenzielle Arbeitskräfte ab sondern auch Investoren. Die Bevölkerung ist ebenfalls aufgebracht, weshalb die Bremer Politik zusammen mit der Bremer Straßenbahn AG eine neue durchgehende Straßenbahn-Linie bis zum Hauptbahnhof in Aussicht gestellt hat - für irgendwann demnächst.

Doch seit das Überseequartier neu entwickelt werden sollte, war bereits die Weser als Verkehrsweg im Gespräch. Schließlich gab es früher Längs- und Querverbindungen zu allen Bremer Häfen und in die Stadtteile, aus denen die Arbeitskräfte kamen.

Und auch heute noch werden Personen auf der Weser transportiert, allerdings ging das Angebot über die Jahre deutlich zurück. Die aus einer Bürgerinitiative entstandene private Reederei »Hal Över« - zu Hochdeutsch: Hol über - bietet seit Jahren Fährverbindungen auf der Weser an: Von April bis Oktober Pendelverkehr quer über den Fluss zwischen Woltmershausen, Überseestadt und Gröpelingen. Bei Bundesligaspielen gibt es eine rund 30 Kilometer lange Fährverbindung vom äußersten Bremer Norden weseraufwärts mit sechs Haltepunkten zum Anleger Weserstadion. Und von Mai bis August fährt direkt von der Bremer Innenstadt ein Schiff die über 100 Kilometer lange Strecke nach Bremerhaven mit neun Haltepunkten und zurück.

Die Pendellinie und die Bremerhaven-Tour sind traditionelle Strecken. Ebenso die in Bremen auch »Mini-Kreuzfahrt« genannte etwa Drei-Minuten-Überfahrt vom altem Bremer Steintorviertel auf die Neustadtseite. Diese Fähre pendelt nach Bedarf wochentags von März bis Oktober zwischen 7 Uhr morgens und dem Betriebsschluss des zugehörigen Cafés auf der Neustadtseite. Am Wochenende ab 9 Uhr morgens.

Da lag es für vier Unternehmer aus der Überseestadt nahe, gemeinsam mit »Hal Över« ein weiteres Fährprojekt auf traditioneller Route vom Weserstadion bis in die Überseestadt zu initiieren. Vom Stadion braucht sie 40 Minuten in die Überseestadt, von der City 25. Es gibt kostenloses WLAN, Platz für Fahrräder sowie Leihfahrradhaltestellen an den Fähranlegern.

Die Initiatoren investierten rund eine halbe Million Euro. Das Fährticket ist von einigen Anlegestellen aus auch für drei Straßenbahnhaltestellen gültig, ein Hin- und Rückfahrtticket kostet 6,50 Euro, die Monatskarte 60 Euro. Einige Unternehmen der Überseestadt zahlen ihren Angestellten Zuschüsse zum Fährticket. Das Projekt läuft zunächst bis Oktober, wochentags von 7 bis 19 Uhr. Dann soll es ausgewertet, eventuell modifiziert und im kommenden Jahr wiederbelebt werden.

Die Resonanz in der Bremer Bevölkerung ist positiv. Und es gibt Ideen, was noch alles gemacht werden könnte bezüglich Fährzeiten, Haltestellen und Kooperationen. Im Oktober, nach Ende der Probephase, beginnt in Bremen die heiße Zeit des Landtagswahlkampfes 2019. Dafür haben die Initiatoren dann schon mal vorgelegt, denn einer von ihnen ist der CDU-Spitzenkandidat.

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Das Blättchen Heft 17/18