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Wer definiert Glück, Freiheit, Demokratie?

Rainer Werning und Helga Picht berichten über den »Brennpunkt Nordkorea«

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Publikationen über die DVRK, besser als Nordkorea bekannt, haben zurzeit Hochkonjunktur. Alle wollen sie hinter das Geheimnis jenes Landes kommen, das so anders scheint als das unsere. Was wissen wir? Es ist das isolierteste Land der Welt, abgeschottet vom Rest der Welt, mit einem merkwürdig anmutenden Diktator und einem Volk, das darbt und keine demokratischen Freiheiten genießt. Journalisten kommen schwer rein, Sicherheitsbegleiter bestimmen die Wege, Interviewpartner und Fotomotive. Es ist immer ein Glücksfall für den Reporter vor Ort, an den Aufpassern vorbei ein Motiv zu schießen, das nicht ganz dem offiziellen nordkoreanischen Propagandabild entspricht. Und die ausländischen Berichterstatter fühlen sich als Helden, wenn sie dem allmächtigen Überwachungssystem ein Schnippchen geschlagen haben.

Aus nordkoreanischer Propagandasicht jedoch ist das Land nördlich des 38. Breitengrades ein Paradies auf Erden, in dem alle Menschen frei und fröhlich leben und täglich überschüttet werden mit den Segnungen des »großen Führers«, des »geliebten Marschalls« Kim Jong Un. Wie aber ist dieses Nordkorea wirklich? Paradies oder Hölle? Auf diese Fragen versuchen die Autoren Rainer Werning und Helga Picht Antworten zu geben. Sie wollen die Leser ermuntern, sich mit den Fakten auseinanderzusetzen, warum die DVRK so geworden ist, wie sie heute ist. Beide sind ausgemachte Korea-Kenner, die sich bemühen, ein Bild von Nordkorea zu entwickeln, das etwas anders ist als das gängige.

Die Kapitel gehen vor allem zurück in die Geschichte nach 1945, nach dem Ende der japanischen Kolonialherrschaft. Die koreanische Halbinsel wurde, ohne dass die Koreaner gefragt wurden, geteilt. Die zwei gegensätzlichen Systeme haben die Befreier vom japanischen Joch mitgebracht, und das koreanische Volk musste dies schlucken. Im Koreakrieg zwischen 1950 und 1953 sollte der Norden nach dem Willen der USA-Militärs ausradiert werden, es stand dort am Ende nichts mehr, was es zu zerbomben gab. So entwickelte sich Hass auf die Verursacher von Leid und Elend und die nahezu fanatische Überzeugung, ein Land aus den Trümmern aufbauen zu können, ohne fremde Einflüsse von außen. Krieg, Teilung, von den USA installierte Militärdiktaturen im Süden, vorsichtige Annäherungen, Lavieren zwischen der Sowjetunion und China, Sanktionen und der Zerfall eines Weltreiches prägten die Nordkoreaner. Kein Wunder, dass sie sich mehrheitlich am sichersten in einem Land fühlen, in dem nur Erfolge vermeldet werden. Der Griff zur Atombombe ist für die Nordkoreaner die Lebensversicherung zum Erhalt ihres über Jahrzehnte entwickelten Systems. Der nordkoreanische Nationalismus und der Führerkult sind nicht allein der »stalinistischen« Ordnung geschuldet. Die über Jahrtausende gepflegte konfuzianische Tradition kennt die überhöhte Vergötterung der Mächtigen, auch im Süden gibt es den Glaube an Weisheit und Macht und die Verehrung führender Persönlichkeiten.

Die Realität in Nordkorea, das entnehmen wir der Publikation, ist weitaus komplizierter als die einfachen Wahrheiten, die uns tagtäglich über die Medien serviert werden. Und die Sichtweisen der Nordkoreaner auf ihr eigenes Land sind anders als der mitleidige, nach Elend und Unterdrückung suchende Blick des Ausländers. Wenn Nordkoreaner in die Kameras ausländischer Beobachter sagen, dass sie im schönsten Land der Welt leben und sie Kims Vater Kim Jong Il und dem »Urvater« Kim Il Sung huldigen, so ist das nicht unter Peitschenhieben erzwungen. Sie sind so sozialisiert, so großgeworden und empfinden es so. Die Definition von Glück, Freiheit oder Demokratie ist auch immer abhängig davon, wo und wie man lebt. Wir Mitteleuropäer sind gut beraten, unsere Art zu leben, nicht zum Maß aller Dinge zu machen.

Dieses faktenreiche Buch wirbt um Verständnis. An einigen Stellen hätte man sich jedoch ein paar kritischere Worte gewünscht.

Rainer Werning/Helga Picht: Brennpunkt Nordkorea. Edition Berolina, 192 S., br., 10,30 €.

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