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Assad übernimmt Kontrolle in der Wiege des Aufstandes

Rebellen geben die Stadt Daraa zurück / Bei Luftangriff auf die Ortschaft Sussa wurden 28 Menschen getötet

  • Lesedauer: 4 Min.

Damaskus. Mehr als sieben Jahre nach dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien hat die Regierung einen weiteren wichtigen Erfolg mit großer Symbolwirkung erzielt. Die Rebellen gaben die Stadt Daraa im Süden des Landes auf, die als Wiege des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad gilt. Anhänger Assads hissten am Donnerstag die syrische Flagge über dem Teil Daraas, der noch in den Händen von Aufständischen war, wie die staatliche Agentur Sana meldete.

Rebellensprecher Ibrahim Dschabawi bestätigte, die Regierungsgegner hätten zuvor eine Einigung mit Russland, dem Verbündeten Syriens, erzielt. Demnach geben die Rebellen in Daraa ihre schweren Waffen ab. Sie hatten zuletzt noch einen Teil der Stadt kontrolliert, wurden dort aber von den Regierungstruppen eingeschlossen.

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Sana zufolge betraten Einheiten der syrischen Armee Daraas bisheriges Rebellengebiet, um die syrische Flagge zu hissen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte machten sie dort Bilder und zogen danach wieder ab. Aktivisten erklärten, es hielten sich weiterhin Aufständische in der Stadt auf. Rebellensprecher Dschabawi teilte mit, das ausgehandelte Abkommen sehe nicht vor, dass dort Regierungstruppen einrückten.

Der Geheimdienst hatte im Frühjahr 2011 eine Gruppe von Schülern in Daraa festgenommen und gefoltert, die regierungsfeindliche Graffiti an Wände gesprüht hatten. Nach den Festnahmen kam es in der Stadt zu Protesten, gegen die die Regierung mit Gewalt vorging. Mittlerweile sind in dem Bürgerkrieg mehr als 400.000 Menschen ums Leben gekommen.

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Syriens Armee kontrolliert inzwischen mehr als 80 Prozent der Provinz Daraa, wie regierungsnahe Medien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldeten. Regierungsgegnern bleibt in der Region ein Streifen an der Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen. Ein Gebiet wird dort auch noch von einem Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beherrscht, der am Donnerstag die Kontrolle über einen weiteren Ort gewinnen konnte.

In der Region sind Zehntausende Menschen auf der Flucht vor Kämpfen und den Regierungstruppen. Die Hilfsorganisation Oxfam warnte, Tausende seien von Hilfslieferungen abgeschnitten. In den heißen Sommermonaten benötigten sie dringend Unterkünfte, Wasser, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung.

Russland, die USA und das Nachbarland Jordanien hatten sich vor rund einem Jahr auf eine sogenannte Deeskalationszone für Daraa geeinigt. Regierungstruppen begannen im Juni dennoch eine Offensive, die von Moskaus Luftwaffe unterstützt wird. Den größten Teil der Provinz konnten Assads Anhänger nach Abkommen mit Rebellen übernehmen, die unter russischer Vermittlung ausgehandelt wurden. Mit Daraa verlieren Syriens Rebellen eines der letzten Gebiete unter ihrer Kontrolle. Ihre verbliebenen Hochburgen liegen im Nordwesten des Landes.

Während es in Daraa zu keinen Kampfhandlungen kam, gab es in der Ortschaft Sussa in der östlichen Provinz Deir Essor nahe der irakischen Grenze einen Luftangriff auf eine der letzten Bastionen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien am Donnerstagabend. Nach Angaben von Aktivisten sind mindestens 28 Zivilisten getötet worden. Dies teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. Es sei bislang völlig unklar, von wen Luftangriff geflogen worden ist, erklärte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle. Auch die staatliche Nachrichten Agentur Sana berichtete über den Vorfall. Sie macht die Anti-IS Koalition für den Angriff verantwortlich.

Die IS-Miliz, die 2014 weite Teile des Irak und Syriens überrannt hatte, kontrolliert nur noch wenige Gebiete in Syrien. Sowohl die von Russland unterstützten syrischen Regierungstruppen als auch die internationale Anti-IS-Koalition gehen in der ölreichen Provinz Deir Essor gegen die letzten IS-Kämpfer militärisch vor. Zuletzt hatten auch irakische Kampfflugzeuge wiederholt IS-Stellungen im Grenzgebiet angegriffen. Agenturen/nd

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