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Ein Gespräch mit Jesus

Zwei mal Kritik an Donald Trump: Ry Cooder / The Last Poets

  • Von Thomas Blum
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ry Cooder
Ry Cooder

Gleich zwei Mal haben wir es hier mit politisch-musikalischer Geschichtsschreibung der USA zu tun: Sowohl The Last Poets, die als die sogenannten Erfinder des HipHop gelten, als auch Ry Cooder, Altmeister an der Slide-Gitarre, haben neue Alben aufgenommen, und auf beiden wird nicht gerade wenig Kritik am derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump kundgetan.

Die aus der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre kommenden Last Poets, die jahrzehntelang im Gedächtnisloch verschwunden waren, haben für ihre Anti-Trump-Platte die von ihnen einst kultivierte Mixtur aus Spoken-Word-Protestlyrik, Bongogetrommel, freisinnigen Drum’n’Jazz-Spielereien und der Feier schwarzer Identität und Widerstandsgeschichte wiederbelebt. Allerdings klingt das heute weit weniger zwingend als früher, auch weil man - womöglich um der kommerziellen Verwertbarkeit willen - nahezu alle Stücke mit feisten Wohlfühlreggaerhythmen zugekleistert hat.

Und auf dem anderen Album?

Harfengleich gnispelt da die Gitarre, das Lieblingsinstrument von Ry Cooder, der ungefähr so amerikanisch ist wie ein Cowboyhut oder die Route 66. Dabei erzählt wird eine Szene im Himmel: »Bringen Sie mal Ihre alte Gitarre und setzen Sie sich zu mir neben den Himmelsthron«, weist Jesus den Protestsänger und Folkmusiker Woody Guthrie an. Und Woody tut wie ihm geheißen. Jesus hält dem berühmten US-amerikanischen Songwriter und Arbeitersänger eine wenig ermutigende Ansprache: Es sei ja einiges nicht so gelaufen in jüngerer Zeit, und er, Jesus, meine jetzt nicht die Kriege. Der die Armen und die Fremden jagende und aus dem Land treibende Mann von der Bürgerwehr sei neuerdings wieder aktiv, so gibt Jesus zu bedenken, und wir alle wissen, wer gemeint ist. Woody Guthrie, so beklagt sich Jesus, habe also nicht recht gehabt mit seinen beiden kühnen Voraussagen, dass das Land, die USA, dereinst auch dem kleinen Mann gehöre, nicht nur dem Großgrundbesitzer, und dass der Faschismus künftig nichts mehr zu melden hätte. Das nämlich habe Guthrie zu Lebzeiten, in seinen Songs verkündet.

»Sie waren ein Träumer, Mr. Guthrie, und ich war auch einer«, belehrt Jesus den Sänger und gibt ihm und den Seinen noch einen Rat mit auf den Weg: »Ihr guten Leute schließt euch besser zusammen / Oder ihr werdet keine Chance mehr haben.«

Musikalisch hat sich beim mittlerweile 71-jährigen Ry Cooder, der offiziell zu den besten Gitarristen der Welt zählt, selbstverständlich nichts getan: Die US-amerikanische Roots-Musik der 30er und 40er Jahre hat es ihm noch immer angetan. An den von vielen lange vergessenen Bluesmusikern und -sängern der USA orientiert er sich nicht erst seit gestern, sondern schon seit den 60ern und der Zeit, die er in der radikalen Psychedelic-Blueskrachkapelle des legendären Captain Beefheart verbrachte. Wir hören also von ihm jenen Country-Blues-Americana-Shuffle-Schunkel-Folk mit viel Bibelpathos und elaboriertem Gitarrengegniedel, den man von ihm schon kennt, inklusive Banjo, Akkordeon und sirupdickem Gospelschmalz. »Everybody ought to treat a Stranger right«, heißt eines der Traditionals, die Cooder interpretiert, ein 1930 von Blind Willie Johnson geschriebener Song, »Jeder soll einen Fremden freundlich behandeln«. Die Lieblingsplatte von Horst Seehofer wird das also schon mal nicht.

The Last Poets: »Understand What Black Is« (Studio Rockers/Groove Attack)

Ry Cooder: »The Prodigal Son« (Caroline/Universal)

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