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Köthen hat einzigartige Vögel ...

Doch kaum einer kennt sie

  • Von Thomas Schöne, Köthen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Moorhühner stehen in 200 Jahre alten Schaukästen.
Moorhühner stehen in 200 Jahre alten Schaukästen.

Das Köthener Schloss beherbergt eine einzigartige historische Sammlung mit weit mehr als 1000 ausgestopften Vögeln. Sie steht auf der »Liste des national wertvollen Kulturgutes« - allerdings kennt sie kaum jemand. Die Stadt Köthen will das ändern. »Der erste Schritt ist ein neuer Name«, sagt der Leiter der Stadtentwicklung von Köthen, Frank Amey. Statt Naumann-Museum könnte die Sammlung »Herzogliches Vogelcabinett« heißen. Der neue Name wäre ein Hinweis darauf, dass 1821 Herzog Friedrich Ferdinand von Anhalt-Köthen (1769-1830) dem Landwirt und Ornithologen Johann Friedrich Naumann (1780-1857) die Sammlung abgekauft hatte.

Rund 1300 ausgestopfte Vögel sind seit 1835 im Köthener Schloss ausgestellt - auf 113 Schaukästen verteilt. Naumann trug die Stücke in jahrelanger Arbeit als Grundlage für sein dreizehnbändiges Hauptwerk »Naturgeschichte der Vögel Deutschlands« zusammen.

»Noch wird geprüft, ob die Sammlung ein paar Meter weiter in das sogenannte Steinerne Haus umziehen kann«, sagt Amey. Zugleich geht es um eine moderne Museumsgestaltung, mit der die Besucher von heute angesprochen werden können. »Die Stadt geht von 238 000 Euro benötigtem Fördergeld aus.«

Im Juni 2015 wurde die Sammlung in die »Liste des national wertvollen Kulturgutes« aufgenommen. Damit darf sie weder verkauft werden noch an einen anderen Ort ziehen. Die Stadt spricht vom weltweit einzigen ornithologiegeschichtlichen Museum. Es zählt allerdings nur rund 3600 Besucher pro Jahr.

»Naumann stattete die Schaukästen mit naturgetreuer Hintergrundmalerei aus«, sagte der Vizevorsitzende des Fördervereins Naumann Museum, Ernst Görgner. »Es ist die einzige Vogelsammlung der Welt, die original im Biedermeierstil erhalten geblieben ist, deswegen ist sie wissenschaftsgeschichtlich interessant.« Als begnadeter Künstler und scharfsinniger Naturbeobachter präparierte er jedes Tier eigenhändig. Sie dienten ihm als Modelle für seine Zeichnungen und Kupferstiche. »In den Schaukästen setzte Naumann die Vögel immer im Kontext zu ihrer Lebenswelt. Er zeichnete zum Beispiel den Ast, wo sich der Vogel auch tatsächlich gerne hinsetzte und dazu zeichnete er als Hintergrund die tatsächliche Lebensumwelt des Tieres«, so Görgner.

Dass die Präparate bis heute »überlebt« haben, liegt daran, dass die Schaukästen auf Anweisung von Naumann luftdicht angefertigt wurden, um einen Insektenbefall zu verhindern. Im Museum werden auch Bücher, Manuskripte, Kupferstiche und Zeichnungen sowie Jagdgeräte und persönliche Gegenstände von Naumann aufbewahrt. Unter den rund 4000 Fachbüchern des Museums stammen 1000 aus seinem Besitz.

»Die Stadt Köthen hat für die Außenwerbung drei große Aushängeschilder: Bach Stadt Köthen, Homöopathie Stadt Köthen und dazu gehört eben auch die Naumannsammlung in Köthen. Das sollte als Gesamtkonzept genutzt werden«, sagt Görgner. Nach seinen Angaben gibt es in Sachsen-Anhalt 1500 organisierte Ornithologen. Deutschlandweit sind es rund 50 000 Vogelkundler. dpa/nd

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