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  • WM-Spiel um Platz 3

Belgien setzt sich neue Ziele

Nach dem Gewinn der Bronzemedaille schaut das junge Team schon nach Katar

  • Von Holger Schmidt und Thomas Eßer, St. Petersburg
  • Lesedauer: 4 Min.

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Nach dem 2:0 (1:0) am vergangenen Sonnabend im WM-Spiel um Platz drei gegen England empfing Belgiens König Philippe die »Roten Teufel« am Sonntag auf Schloss Laeken vor den Toren von Brüssel. Danach fuhr das Team im offenen Bus in die Innenstadt und wurde an der Grand Place im Zentrum von rund 8000 Fans erwartet. Die Polizei schloss den Platz bald wegen Überfüllung. Schon zuvor freute sich Vincent Kompany: »Im Fußball geht es immer auch um Spaß. Die Leute wollen feiern und ein Bier trinken. Dafür brauchen sie uns, also kommen wir.«

Mit dem Sieg gegen sichtlich frustrierte Engländer hatten die Belgier das Sahnehäubchen auf ihr starkes Turnier in Russland gesetzt und den bisher größten Verbandserfolg mit Platz vier aus dem Jahr 1986 übertroffen. »Für uns war das kein Freundschaftsspiel«, sagte Kompany über das kleine Finale, dessen Sinn auch in diesem Jahr wieder heftig diskutiert wurde: »Es ging um eine Medaille. Und nach so einem Turnier willst du die haben.« So sah es auch der frühere Wolfsburger Kevin De Bruyne. »Wir mussten uns nicht groß motivieren. Wir sind Profis, und wenn wir spielen, wollen wir auch gewinnen«, sagte er.

Die Engländer, die einen Tag weniger Regeneration hatten und aus dem Halbfinale gegen Kroatien (1:2) auch noch eine Verlängerung in den Beinen hatten, konnten sich derweil nicht mehr berappeln. »Körperlich und mental war es unglaublich schwierig, in dieses Spiel zu gehen«, sagte Trainer Gareth Southgate: »Wir waren 20 Minuten von einem WM-Finale entfernt. Und wenn du so nahe am größtmöglichen Preis bist, willst du danach, wenn du es nicht geschafft hast, eigentlich nur nach Hause.«

So verloren die Engländer in St. Petersburg vor 64 406 Zuschauern durch Tore von Thomas Meunier (4.) und Eden Hazard (82.) auch das zweite Spiel um Platz drei ihrer Verbandshistorie. Das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Fußballmutterlands nach dem Titel 1966 muss sich das Team von Southgate somit mit der Generation von vor 28 Jahren teilen.

Als Trost dürfte Englands Kapitän Harry Kane den Goldenen Schuh für den besten Turniertorschützen bekommen. Der Mittelstürmer der »Three Lions« blieb am Sonnabend wie schon in den beiden Spielen zuvor zwar glück- und torlos, da sein belgischer Verfolger Romelu Lukaku aber auch nicht traf, blieb er mit sechs Toren zunächst an der Spitze dieser Rangliste. Die Franzosen Kylian Mbappé und Antoine Griezmann (je drei) hätten im Finale am Sonntagabend (nach Redaktionsschluss) gegen Kroatien schon dreimal treffen, um Kane noch zu gefährden.

Belgien war gegen die Engländer furios gestartet. Lukaku spielte Nacer Chadli auf der linken Seite frei, der Offensivmann flankte in die Mitte und aus fünf Metern drückte Meunier, der nach seiner Sperre aus dem Halbfinale wieder in die Startelf gerückt war, den Ball mit dem Schienbein über die Torlinie. Der 26-jährige Meunier war bereits Belgiens zehnter Turniertorschütze in Russland. Damit stellten die Belgier den Rekord von Frankreich 1982 und Italien im Jahr 2006 ein. Die frühe Führung gab den »Roten Teufeln« Sicherheit. Von den Engländern war offensiv wenig zu sehen, dem Southgate-Team fehlte das Tempo.

Eine kleine Offensive der Engländer nach der Pause brachte wenig ein. Dafür entschied dann Hazard in der Schlussphase die Partie. Vielleicht lag es an Sieg und Niederlage im letzten Spiel, doch der Blick in die Zukunft fiel bei den Belgiern am Sonnabend deutlich positiver aus als bei den Engländern. Kevin De Bruyne sagte: »Wir haben sechs von sieben Spielen gewonnen. Und der Rest kommt dann vielleicht in vier Jahren bei der nächsten WM.«

Lob kam auch vom Gegner. »Was für außergewöhnliche Talente sie haben. Sie verfügen über das beste Team in ihrer Geschichte«, gab Englands Teammanager Gareth Southgate zu Protokoll: »So weit sind wir noch nicht.« Sein Team sieht er so: »Wir waren unter den besten vier Mannschaften, aber wir wissen, dass wir noch nicht zu den vier besten gehören und lassen uns von dem vielen Lob nicht blenden. Wir hatten einen relativ komfortablen Weg ins Halbfinale. Wir müssen und werden uns noch viel verbessern.« dpa/nd

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