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  • Politik
  • Treffen von Trump und Putin

Warum Helsinki?

Finnland hat bereits früher historische Treffen zwischen den Supermächten organisiert

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.

Nicht auf Genf oder Wien, sondern auf Helsinki wird die Welt am Montag schauen. Nach den Provokationen von US-Präsident Donald Trump beim NATO-Gipfel und dann in Großbritannien erscheint die Wahl der Hauptstadt Finnlands als Ort für seinen ersten Gipfel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin immer weniger ein Zufall zu sein. Während Trump seinen traditionellen westlichen Partnern wie Deutschland die kalte Schulter zeigt, soll das Treffen in Helsinki vor allem Tauwetter zwischen den USA und Russland signalisieren, glauben Experten.

Finnland hat bereits historische Treffen zwischen den beiden Supermächten organisiert. 1975 wurde die Schlussakte von Helsinki zwischen den USA, der UdSSR und 33 weiteren Ländern unterzeichnet. Das hatte eine weitgehende Verbesserung der Ost-West-Beziehungen zur Folge. Im Jahr 1990 trafen sich George H.W. Bush und Michail Gorbatschow in Helsinki. 1997 folgten Bill Clinton und Boris Jelzin der Tradition in Helsinki. Bislang hatten Trump und Putin nur zwei kurze Treffen im vergangenen Jahr, ein richtiger Gipfel kam nicht zustande, unter anderem wegen der US-Ermittlungen zur Einflussnahme Russlands auf die US-Wahlen zugunsten Trumps. Nun treffen sie sich, obwohl London Russland für den Nervengiftanschlag auf einen Agenten und seine Tochter in Großbritannien verantwortlich macht und obwohl die NATO weiterhin die Krimannexion scharf verurteilt.

Das nur rund 100 Flugminuten von Moskau entfernte Helsinki gilt dabei als Zugeständnis an den aus St. Petersburg unweit der finnischen Grenze stammenden Wladimir Putin. Die Fußballweltmeisterschaft in Russland endet zudem am Sonntag mit dem Finale, bei dem mit Putins Anwesenheit vor einem weltweiten Publikum gerechnet wird. Dass er genau am Tag danach mit Donald Trump in Helsinki auftritt, gilt als medienwirksamer Schachzug.

Trump ist zwar schon in Europa, aber er begibt sich in ein neutrales, einst eng an die Sowjetunion angeschmiegtes Land, das auch heute nicht zur NATO gehört, um Putin vor dessen Haustür zu treffen, so die Botschaft. Ausgerechnet im Ostseeraum sind zudem die Spannungen zwischen der NATO und Russland besonders spürbar. Die NATO hat in den erst seit Anfang der 90er Jahre von Russland unabhängigen drei baltischen NATO-Ländern Truppen gegen Russland stationiert. Die Balten befürchten seit der Ukrainekrise vermehrt Aggressionen aus Moskau. Im Ostseeraum kommt es auch immer wieder zu aggressiven russischen Militärmanövern zur See und in der Luft.

Finnland hat zusammen mit dem ebenso neutralen Schweden in den vergangenen Jahren seine Zusammenarbeit mit der NATO weitgehend ausgebaut. Noch näher an die NATO könnten die beiden Länder nicht mehr kommen, ohne eine Vollmitgliedschaft anzustreben, sagen Experten. Doch Moskau droht auch heute noch gern mit Konsequenzen, sollte Finnland eine Mitgliedschaft erwägen. Insofern hoffen die Finnen als erfolgreiche Gastgeber für die beiden Löwen Trump und Putin, eine Sonderstellung herausarbeiten zu können, die ihnen auf beiden Seiten Vorteile einbringt. Zumindest da hat sich nicht so viel geändert im außenpolitischen Streben Helsinkis. Das ist verständlich: Die direkte Landesgrenze zu Russland bleibt 1300 Kilometer lang - egal, wer im Kreml regiert.

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