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»Seid stets höflich und freundlich«

Briefe aus dem Gefängnis

  • Von Nora Goldstein
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Seid im Umgang mit Menschen, ob Freund oder Feind, stets höflich und freundlich«, schrieb Nelson Mandela in einem Brief an seine Frau Winnie 1970 von Robben Island. Das war typisch für ihn, den Mann, der als der große Versöhner galt, gleichwohl ihm selbst schlimmstes Leid von seinen Gegnern angetan worden ist. 10 052 Tage war er von den Seinen getrennt, rausgerissen aus dem Kampf um die Befreiung Südafrikas vom Apartheidregime, von Rassismus, Diskriminierung, Entrechtung und Unmenschlichkeit.

1962, als die brutale Kampa-gne der herrschenden weißen Minderheit gegen die politische Opposition kulminierte, wurde der 44-jährige Anwalt und Aktivist des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) verhaftet. Er konnte nicht ahnen, dass er die folgenden 27 Jahre im Gefängnis verbringen würde - trotz einer sich alsbald weltweit entfaltenden Solidaritätsbewegung, die seine Freilassung forderte. Auch in der DDR wurden Millionen Postkarten von Jung und Alt geschrieben und an das Kap der Guten Hoffnung gesandt: »Free Nelson Mandela!«

Unter den in diesem Jahr neu erschienen Publikationen von und über Nelson Mandela verdient ein opulenter Band besondere Aufmerksamkeit. Die Edition ausgewählter Briefe aus dem Gefängnis hat der Verlag mit einer Banderole versehen, auf der Barack Obama mit den Worten zitiert wird: »Mandelas Worte geben uns einen Kompass in einem Meer des Wandels, festen Boden inmitten wirbelnder Strömungen.«

Im Laufe seiner Haft schrieb der spätere erste schwarze Präsident Südafrikas unzählige Briefe, an die Familie, seine Frau Winnie und seine fünf Kinder, sowie an Freunde und Mitstreiter, die indes häufig ihre Adressaten nicht erreichten, wie umgekehrt vielfach deren Briefe Mandela vorenthalten wurden. Auch verfasste der prominenteste Häftling des südafrikanischen Regimes in seiner Zelle etliche Schreiben an Behörden und Regierungsmitglieder, wobei er sich in diesen nicht für eigene Angelegenheiten, sondern für inhaftierte Gefährten einsetzte. Sagm Venter von der Nelson Mandela Foundation hat sachkundig 250 Zeugnisse zusammengestellt. Sie geben Einblick in den Gefängnisalltag, in Mandelas Einsamkeit und oft auch Traurigkeit. Man gestattete ihm weder bei der Beerdigung seiner Mutter noch seines erstgeborenen, bei einem Autounfall verstorbenen Sohnes Thembi dabei zu sein. Die Briefe belegen ebenso Mandelas Kompromisslosigkeit, seine Kämpfernatur. Im Vorwort schreibt Enkelin Zamaswazi Dlamini-Mandela: »Als Mutter bewegte es mich besonders, durch die Briefe meines Großvaters mitzuerleben, was meine Mutter und meine Tante Zindzi als Kinder durchmachten. Oft waren sie praktisch verwaist, in den Zeiten, als meine Großmutter ebenfalls im Gefängnis war, teils, weil sie sich am Kampf gegen die Apartheid beteiligte, doch oft auch nur, weil sie die Frau eines der bekanntesten politischen Gefangenen Südafrikas war.«

Nelson Mandela: Briefe aus dem Gefängnis. Hg. v. Sahm Venter. C. H. Beck, 752 S., geb., 28 €.

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