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Frauen wollen länger fahren

Tom auf Tour

Radsport kann so emotional sein. Das vergisst man immer wieder bei den coolen und unter enormer Selbstkontrolle stehenden männlichen Profis. Als sich Cecilie Uttrup Ludwig als Vierte von La Course by Le Tour de France, dem traditionellen Frauenrennen der Tour, auf dem Asphalt von Le Grand-Bornand kurz nach dem Ziel niederließ und in Tränen ausbrach, da glaubte man erst, sie weine, weil sie von ihren Verfolgerinnen eingeholt wurde. Sie erzählte zunächst auf Dänisch, wie es ihr ging. Man hörte Worte wie »wild« heraus und machte sich schon bereit für einen Sympathiepunkte bringenden Trauerreport. Als die Athletin aber auf Englisch umschaltete und immer noch weinte, wurde klar, dass die Tränen aus ganz anderer Quelle flossen als der der Trauer. Cecilie Uttrup Ludwig sagte: »Es ist so ein schöner Tag, einer der schönsten in meinem Leben. Das Team hat so perfekt gearbeitet. Und dann die Menschen an der Straße. So viele. Und so viele von ihnen riefen meinen Namen.«

Die 22-Jährige war begeistert, welche Bühne ihr und ihren Kolleginnen die Tour de France am Dienstag bot. Natürlich, die Frauen hätten gern mehr als nur eine Etappe bei der Tour. »Wir können auch drei Wochen«, meinte Kathrin Hammes, die an diesem Tag 54. wurde. Die Kölnerin schränkte zwar ein: »Ich selber fände das vielleicht nicht so gut. Es könnte dann ja auch langweilig werden, so langweilig wie bei den Männern manchmal.« Aber Lust auf mehr, das haben tatsächlich alle.

So große Lust, dass sich viele Teilnehmerinnen des am Sonntag zu Ende gegangenen Giro Rosa, des zehntägigen Giro d’Italia für Frauen, in die Autos gesetzt und die knapp 800 Kilometer zum Start nach Annecy so zurückgelegt hatten. Zum Vergleich: Die Männer der 105. Tour de France waren am Sonntag per Flugzeug über knapp 800 Kilometer von Roubaix nach Annecy gereist. »Wir hatten so schon ein 11-Etappen-Rennen mit langem Transfer«, scherzte Hammes.

Das Rennen selbst entschied Vorjahressiegerin - und frischgebackene Giro-Triumphatorin - Annemiek van Vleuthen. Sie fing auf den letzten Metern ihre niederländische Landsfrau Anna van der Breggen ab. Spannender können es auch die Männer nicht machen.

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