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Sommer der Besetzungen erreicht Hildesheim

Aktivist*innen haben in der niedersächsischen Stadt ein Haus besetzt und fordern die Errichtung eines alternativen Zentrums

  • Von Niklas Franzen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Sommer der Besetzungen geht weiter: Auch im niedersächsischen Hildesheim haben Aktivist*innen ein Gebäude in Besitz genommen. In der Nacht von Montag auf Dienstag hat ein Zusammenschluss aus Studierenden, Kulturschaffenden und Aktivist*innen das »Bleistiftgebäude« am zentral gelegenen Marienfriedhof besetzt. Rund 30 Besetzer*innen befanden sich am Mittwochnachmittag in dem Haus.

Auch Cora von der Gruppe »Freiräume Hildesheim« war bei der Besetzung dabei. Dem »nd« sagt sie: »Mit unserer Aktion wollen wir auf den Abriss von intakten Gebäuden aufmerksam machen. Ebenso kritisieren wir, dass es in der Stadt zu wenig Räume für unkommerzielle Kultur gibt.« Das Ziel der Aktivist*innen: die Errichtung eines Soziokulturellen Zentrums. Denn bisher gebe es in Hildesheim kein einziges Jugendzentrum. Und die Stadt, die sich als Europäische Kulturhauptstadt 2025 bewirbt, gebe zu wenig Geld für alternative Kultur aus, heißt es.

Das »Bleistifthaus« gehört einem privaten Investor, ist aber noch bis Ende Juli an die Universität Hildesheim vermietet. Im vergangenen Semester fand in dem Gebäude ein Projektseminar zum Thema 1968 statt, nun steht das Haus leer. Der Investor soll geplant haben, das Gebäude abzureißen und auf dem Gelände Parkplätze zu errichten. In einem Gespräch mit den Besetzer*innen soll er jedoch am Mittwochmorgen von seinen Parkplatz-Plänen abgerückt sein und bereits andere Ideen für das Gelände bereithalten. Laut den Besetzter*innen übe der Investor nun starken Druck auf die Universität aus und erklärte, sie könne nicht aus dem Mietvertrag aussteigen, solange sich Menschen in dem Haus befinden.

Am Mittwochmorgen trafen sich Besetzer*innen mit Vertreter*innen der Universität. Diese distanzierte sich von der Aktion, forderte die Aktivist*innen auf, das Haus zu verlassen und drohte notfalls rechtliche Schritt einzuleiten. Die Besetzerin Cora meint: »Wir werden in dem Haus bleiben.« Am Nachmittag soll vor dem Gebäude eine Solidaritätskundgebung stattfinden. Die SPD Hildesheim konnte sich gegenüber »nd« nicht zu der Besetzung äußern, da der zuständige Landtagsabgeordnete im Urlaub ist.

In den vergangenen Monaten wurden in vielen deutschen Städten Häuser besetzt. Die Aktionen am Pfingstwochenende in Berlin regten eine bundesweite Debatte über Gentrifizierung und Aneignung von Wohnraum an. Auch in Göttingen, Stuttgart, Aachen und Gießen besetzen Menschen unlängst leerstehende Gebäude.

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