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Ein pünktlicher S-Bahn-Betrieb ist möglich

Berliner Verkehrsunternehmen legt Maßnahmenkatalog vor, um wieder zuverlässiger zu werden

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Pünktlichkeit ist wie Rasenmähen. Wenn man hinten fertig ist, muss man vorne wieder anfangen«, sagt Peter Buchner, Chef der S-Bahn Berlin am Mittwochmorgen. Geladen hatte der Deutsche-Bahn-Konzern in einem der Bügelbauten des Hauptbahnhofs. Vorgestellt wurde die »Qualitätsoffensive S-Bahn Plus«, die den Betrieb zuverlässiger machen soll.

Von dort, im elften Stock, ist auch gut zu erkennen, dass es mal wieder nicht rund läuft bei der S-Bahn. Schuld war eine »betriebliche Störung« am Savignyplatz. Außerdem gab es noch eine Weichenstörung in Südende, später kam noch eine Signalstörung in Friedrichsfelde Ost dazu. Damit wucherte bis zum Mittag schon bei etwas weniger als der Hälfte der Linien der Rasen unkontrolliert, um im Bild des S-Bahnchefs zu bleiben.

Mit 180 Einzelmaßnahmen will die DB erreichen, dass Nutzer und Senat wieder zufriedener mit der S-Bahn werden. »Wir haben dafür Anfang des Jahres 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Hierarchiestufen und Konzernbereichen zusammengeholt«, erklärt der Berliner DB-Konzernbevollmächtigte Alexander Kaczmarek. Nicht nur von der S-Bahn, sondern auch von DB Netz, DB Energie und DB Station und Service. Über 30 Millionen Euro werden investiert.

Zum Beispiel werde versucht, das leidige Problem »Personen im Gleis« anzugehen. »Die Leute glauben uns das schon gar nicht mehr, aber es geschieht wirklich so häufig«, sagt Kaczmarek. Absoluter Hotspot dafür ist der Ostbahnhof, 100-mal pro Jahr kommt es dort dazu, in der Folge bricht jedesmal der Verkehr auf der Stadtbahn zusammen. Nun sollen die Bahnsteigenden mit Gittern abgesperrt werden. In München sei dies bereits erprobt.

Auch die häufigen Signal- und Weichenstörungen, im Schnitt drei bis vier pro Tag, sollen zurückgedrängt werden. Weichen auf der Stadtbahn werden nun monatlich kontrolliert statt bisher alle zwei Monate, wie es die Konzernrichtlinien vorsehen, so Helge Schreinert, Leiter Produktion des Regionalbereiches Ost der DB Netz. Geplant ist auch der Tausch von 20 Kilometern an Signalkabeln. »Von Anfang der 1990er bis Mitte der 2000er Jahre wurden Kabel verlegt, die bis an die Grenze der zulässigen Parameter ausgereizt sind«, erklärt Schreinert. Die neuen Kabel sind doppelt ummantelt und so auch nagersicher.

»Wir haben genau analysiert, woran die vorhandenen Fahrzeuge kranken«, sagt Buchner. Bei der ab 1996 ausgelieferten Baureihe 481, die mit 1000 Einzelwagen den Löwenanteil des vorhandenen Fuhrparks bildet, wurde ein besonders störanfälliges Relais der Türsteuerung identifiziert. Das wird nun getauscht. Im Sommer bereiten überhitzte Elektronikschränke traditionell Probleme. Nun wurde eine Kühlung entwickelt, die ab Herbst sukzessive in die Wagen eingebaut werden soll.

Um dem Lokführermangel zu begegnen, sollen zunächst verstärkt Beschäftigte aus der Verwaltung mit Fahrtberechtigung zum Einsatz kommen. »Es gibt eine hohe Bereitschaft«, so Buchner. Die Lokführerausbildung werde verstärkt, um auf eine Personalstärke »über den rechnerischen Bedarf hinaus« zu kommen. Auch auf Störungen möchte die S-Bahn sich besser vorbereiten. In einem sogenannten Dispositionshandbuch sollen 200 Störfälle, wie Streckensperrungen, mit den entsprechenden Maßnahmen hinterlegt werden. »Alle Beteiligten wissen dann sofort, wie wir in dem Fall fahren«, erklärt Buchner.

»Es ist gut, dass die S-Bahn nun eine Qualitätsoffensive startet, wie die Senatorin sie angemahnt hat«, sagt Matthias Tang, Sprecher der Verkehrsverwaltung. Auch der Fahrgastverband IGEB begrüßt die Offensive, fordert Berlin, Brandenburg und die Deutsche Bahn auf, »ein schnelles und tiefgreifendes Programm zur Ertüchtigung der Berliner S-Bahn zu initiieren«. Auch der Bund müsse in die Verantwortung genommen werden.

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