Nach dem Massaker

Jesidische Geflüchtete in Deutschland zwischen Trauma und Integration

  • Von Francesco M. Bassano
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

In einem verschlafenen kleinen Dorf am Nordrhein, ein paar Kilometer von Belgien entfernt, wiederholt sich jeden Morgen dasselbe Ritual: Khder umarmt nach dem Frühstück seine Frau Nadjat, gibt den Kindern einen Kuss und fährt mit dem Bus zum Bahnhof Nideggen in Nordrhein-Westfalen. Der Regionalzug, der sich durch Wälder und Felder voller Windkraftanlagen schlängelt, bringt ihn in einer Stunde nach Düren, wo Khder in einer Klasse für Asylsuchende Deutsch lernt.

Khder ist 27 Jahre alt und Jeside. Er kommt aus Sindschar in Nordirak, wo er als Wachmann arbeitete. Vor etwas mehr als zwei Jahren, im Frühjahr 2016, strandete er mit weiteren Jesiden im berüchtigten Idomeni-Flüchtlingslager zwischen Griechenland und Mazedonien, zuvor war er mit seiner Familie aus der Türkei in einem der vielen überfüllten Schlauchboote nach Lesbos gekommen.

Die Gruppe der Jesiden, der er angehört, besteht aus über einer Million Menschen und kommt ursp...

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