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Zwischen Familie und Leistungssport

Christina Schwanitz ist bei den an diesem Freitag beginnenden Deutschen Meisterschaften im Kugelstoßen ein Jahr nach der Geburt ihrer beiden Kinder wieder klare Favoritin

  • Von Dominik Kortus, Nürnberg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ab und zu wundert sich Christina Schwanitz dann doch. »Es ist manchmal schon etwas komisch, wenn ich bei einem Wettkampf als ›Zwillingsmama‹ angekündigt werde«, sagte die Europameisterin im Kugelstoßen: »Dabei stehe ich ja nicht im Stadion, weil ich zwei Kinder geboren habe, sondern weil ich gute Leistungen bringe.«

Und das tut die 32-Jährige: Anfang Juli stieß sie in Biberach 19,78 Meter, gewann am vergangenen Wochenende das Diamond-League-Meeting in Rabat und liegt derzeit auf Platz eins der europäischen Jahresbestenliste. Zum Auftakt der deutschen Meisterschaften am Freitag in Nürnberg ist die Ex-Weltmeisterin, die im vergangenen Juli ihre beiden Kinder zur Welt brachte, wieder die klare Favoritin.

»Dass es so gut und konstant läuft, hätte ich nicht gedacht«, gab Schwanitz offen zu. Kein Wunder also, dass sie nach dem Ende ihrer Babypause bereits den Saisonhöhepunkt im Visier hat: Bei den Heim-Europameisterschaften in Berlin vom 6. bis zum 12. August will sie als erste Kugelstoßerin überhaupt den dritten Europameistertitel in Serie perfekt machen. »Mein Ziel bei der EM ist eine Medaille. Das Allergrößte wäre es natürlich, wenn ich ganz oben auf dem Podest stehen könnte«, sagte sie.

Dabei war ihr derzeitiger Erfolg so nicht abzusehen. Zunächst hatte Schwanitz sogar offen gelassen, ob sie nach der Geburt ihrer Zwillinge, die sie liebevoll »Krümel« nennt, überhaupt einen neuen Angriff auf die Weltspitze unternimmt. »Ich habe während der Schwangerschaft bewusst gar nichts gemacht, was mit Leistungssport zu tun hatte«, sagte sie: »Ich wollte ein bisschen weg vom Leistungssport. Einfach mal genießen, ›normal‹ zu sein.«

Doch letztendlich entschied sie sich für eine Rückkehr. Der Grund: »Ich möchte mir auch etwas beweisen. Beweisen, dass man auch als Elternteil Leistungssport machen kann.«

Deutschlands Sportlerin des Jahres 2015 steht seit dem Trainingsstart im vergangenen Januar vor der Aufgabe, ihren Beruf als Leistungssportlerin und die Familie zu vereinbaren. Und wie bei vielen Eltern ist dabei viel Organisationstalent gefragt.

»Sie hat einen unbändigen Ehrgeiz, der sie antreibt. Sie gestaltet das unwahrscheinlich professionell, da kann man nur den Hut ziehen«, sagte Heim- und Bundestrainer Sven Lang, der ihr auch bei der EM viel zutraut: »Sie ist hochmotiviert. Es hätte sicher niemand etwas dagegen, wenn sie ihren Hattrick macht.«

Bei allen sportlichen Zielen betonte Schwanitz aber zuletzt in einem Interview mit der Schwäbischen Zeitung: »Ich will keine Mutter sein, die Spaß und Erfolg hat auf Kosten meiner Familie.«

Denn es gibt auch schwierige Momente: Beim ersten Geburtstag ihrer beiden Kinder weilte sie im Trainingslager. »Es gibt natürlich auch mal harte Tage«, sagte sie, auch wenn der gemeinsame Kindergeburtstag bald nachgeholt werden soll. »Aber wenn es dann trotz allem gut klappt, wenn alles so funktioniert, wie man es sich vorstellt - dann ist es umso schöner.« SID/nd

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