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Ultraschall - die Tour hat ein mobiles Diagnoselabor

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Lawson Craddock kennt den schwarzen Truck im Ziel recht gut. Der US-amerikanische Radprofi ließ hier nach der ersten Etappe seinen Riss im Schulterblatt röntgen. Hier - das ist die mobile Röntgenstation der Tour de France. »Soins - Radiologie - Echographie« steht in großen Lettern darauf - »Pflegestation - Röntgen - Ultraschall«. An jedem Zielort ist der Truck gleich neben dem Pressezentrum geparkt. »Seit sechs Jahren bieten wir diesen Service an«, erklärt Florence Pommerie, Chefin des medizinischen Bereichs der Tour. Etwa 30 Personen ist das Team stark, Ärzte, Krankenpfleger und auch Radiologen sind dabei. »Für die Fahrer ist das eine echte Erleichterung. Sie können nach Stürzen sofort zum Truck und Röntgenbilder anfertigen lassen. In Frankreich ist es sonst so, dass man im Krankenhaus erst durch die Notaufnahme muss, um Röntgenaufnahmen machen zu lassen. Das kostet Zeit. Hinzu kommen An- und Abfahrt«, sagt sie »nd«.

Im Truck selbst arbeitet Gregory Ramel. Er ist Röntgentechniker und begeisterter Tour de France-Mitfahrer. Von Anfang an ist er dabei. »Zu Beginn jeder Tour wird vor allem das Röntgengerät gebraucht, wegen der viele Stürze. Mal sind es sechs, sieben Fahrer, die pro Tag reinkommen, mal auch nur einer. Das kann man nicht prognostizieren«, meint er zu »nd«. Manche Fahrer kämen auch erst ein, zwei Tage nach den Stürzen, um dann zu kontrollieren, was die physische Ursache andauernder Schmerzen ist.

Ramel staunt dabei immer wieder, wie hart im Nehmen die Profis sind. »Nach manchen Brüchen denken wir: Schade, die müssen jetzt wohl aussteigen. Am nächsten Tag sind sie aber immer noch dabei. Respekt. Schauen Sie sich jetzt Lawson Craddock an, Hut ab vor dem Mann«, sagt er. Mit manchen Fahrern hat sich schon ein besonderes Verhältnis herausgebildet. »Das sind die, die Pech haben, und bei jeder Tour zu uns müssen«, bemerkt er lachend. Die Namen der Unglücksraben will er aber nicht nennen. Ramel versorgt nicht nur Fahrer. Auch Begleitpersonal der Teams, Fahrer der Werbekarawane und Journalisten werden hier behandelt. Als wir das Gespräch führen, wird gerade ein Betreuer des Astana-Teams hineingeführt. Der Mann, ein Belgier, kann seinen Arm nicht mehr richtig bewegen. Ramel schiebt ihn in die Röntgenstation und wertet nachher mit dem mitgekommenen Teamarzt von Astana das Bild aus.

Ab Mitte der Tour verlagert sich die Arbeit vom Röntgenapparat hin zum Ultraschall. »Damit lassen sich Verspannungen, Verhärtungen und Verletzungen der Muskulatur erkennen. Das wird, je länger die Tour geht, immer mehr zum Problem der Fahrer«, erklärt Ramel weiter.

Auch eine kleine OP-Einheit zum Wunden säubern und vernähen ist im Truck - extrem wichtig bei den vielen Fleischwunden, die die Fahrer sich bei den Stürzen zuziehen. »Unsere Ärzte sind Spezialisten auf vielen Gebieten der Unfallmedizin. Im Hauptberuf leiten sie die entsprechenden Abteilungen in ihren Krankenhäusern. Für schwerere Verletzungen, die wir nicht versorgen können, kontaktieren sie sofort ihre Kollegen in der Region. Die Kommunikation klappt ausgezeichnet«, meint Pommerie. Wer bei der Tour stürzt, kann sich also zumindest auf eine gute Infrastruktur in diesem rollenden Zirkus verlassen.

Durch Gregory Ramels Röntgentruck werden übrigens nicht die Räder geschoben, die die UCI auf versteckte Motoren untersucht. Die Röntgenkammer für die Maschinen befindet sich im Antidopingbereich, gleich hinter der Ziellinie. »Wie es in den Kommuniqués steht: Wir haben noch nichts gefunden«, lautet der Zwischenstand von UCI-Kommissar Luc Geysen. Das ist der größte Unterschied zwischen den beiden: Gregory Ramel findet immer etwas, Luc Geysen so gut wie nie.

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