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Gesunde Regionalprodukte für Berlin

In Kleinmachnow entwickelt sich mit Hilfe von Wirtschaftsförderung und Landkreis ein Hochtechnologiestandort

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Beiderseits der Autobahn A115, auf Höhe der Ausfahrt Kleinmachnow, schlägt der Puls der Wirtschaft des Landkreises Potsdam-Mittelmark besonders kräftig. Doch während der Europark nördlich der Trasse mit seinem Flaggschiff eBay seit langem boomt, nimmt das einst als »Fashion-Park« gestartete »Technik-Innovation-Wissenschaft (TIW)«-Gelände auf der anderen Seite gerade erst richtig Fahrt auf. Seit 2012 trifft dies in besonderem Maße auch für das familiengeführte, auf dem Gebiet der Lebensmittelsicherheit tätige Prüf-Unternehmen »Analytica Alimentaria« zu. Es ist ein familiengeführtes Hightech-Unternehmen mit derzeit 150 Mitarbeitern. Am Donnerstag trafen sich dort der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes, Steffen Kammradt, und Landrat Wolfgang Blasig (SPD) mit der Firmenleitung zum Vor-Ort-Termin.

»Wir sind hier, weil die Firma Analytica Alimentaria mit ihrer Technologieorientierung sehr typisch ist für diesen Wirtschaftsstandort«, erklärte Kammradt. Die Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB) habe 2017 in Potsdam-Mittelmark gemeinsam mit ihren regionalen Partnern insgesamt 31 Unternehmensprojekte unterstützt. Damit seien 190 Arbeitsplätze und ein Investitionsvolumen von rund 21 Millionen Euro verbunden.

»Der Landkreis Potsdam-Mittelmark ist eine starke Innovationsregion. Gerade Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow haben sich zu einem imposanten Technologiegürtel im Süden der Bundeshauptstadt Berlin etabliert«, erklärte Kammradt.

Landrat Blasig verwies auf das große, zum Teil noch unerschlossene Wirtschaftspotenzial des Standortes. Gerade Berlin ziehe junge Leute an, die in den aufstrebenden Technologiebranchen Jobs, aber auch das Angebot von Freizeit, Kultur und Lebensart suchten. Probleme entstünden aus der prekären Wohnungssituation in Berlin. Hier biete der Landkreis Potsdam-Mittelmark deutlich mehr Möglichkeiten, als andere Randberliner Kreise. Gerade junge Familien suchten daher im Umland nach Wohnraum. »Doch da müssen wir mit unseren Kommunen noch viel arbeiten, denn gerade Kleinmachnow, wo wir uns ja gerade befinden, steht nun nicht gerade für günstiges Wohnen«, so Blasig. Nach einem aktuellen Bericht der Landesregierung sind Baugrundstücke in der seit jeher bei Prominenz aus Kultur, Medien und Politik gefragten Gemeinde teurer noch als in den mondänen Vierteln der benachbarten Landeshauptstadt Potsdam.

Die günstige Lage der Gewerbeparks an der stark befahrenen A115 dürfe nicht zuletzt in diesem Zusammenhang über die Defizite in der Verkehrsanbindung hinwegtäuschen. »Die Region braucht den S-Bahn-Ring und einen Regionalbahnanschluss und hoffen, dass die Diskussion um die Wiederherstellung der Stammbahn wieder neu belebt wird.«

Das Thema Verkehr ist auch für Analytica Alimentaria von hervorragender Bedeutung. Das Unternehmen mit deutsch-spanischen Wurzeln ist als Dienstleister weltweit tätig. Und es geht dabei um Zeit, denn geprüft werden Obst, Gemüse, Feldfrüchte und auch Kräuter - frische Proben aus Gewächshäusern, von Beeten und Feldern. Von Ort in Kleinmachnow sind 50 Mitarbeiter tätig, insgesamt sind es 150, von denen die Hälfte in den Analyse-Labors, die andere Hälfte bei den Erzeugern vor Ort tätig ist: in Indien, Portugal, Spanien, Italien, Holland, Ägypten, Polen und Peru. Mit einem weinenden Auge räumt Udo Lampe, der geschäftsführende Gesellschafter, ein, dass man sich vor allem mit Blick auf den geplanten Hauptstadtfughafen BER für Kleinmachnow entschieden habe. Nun sei man darauf angewiesen, dass Tegel erreichbar ist und funktioniert.

»Unser Credo heißt Lebensmittelsicherheit«, so Lampe. In Kleinmachnow werde Qualität der von der gesamten Lieferkette vom Bauern bis zur Supermarktkette genommenen Produktproben. »Unser multidisziplinäres und multikulturelles Team von hochspezialisierten Fachleuten kümmert sich darum, dass Lebensmittel abgesichert werden, bevor sie in den Verkauf gelangen.« Das sei für den Absatz auf dem wachsenden Markt für Regionale Produkte in Berlin ein zusätzliches Verkaufsargument.

Seit 2012 wachse die Firma auch dank der Wirtschaftsförderung durch das Land. Gestartet mit sieben Mitarbeitern, strebe man die Erweiterung um 20 Stellen an. Zudem bildet das Unternehmen selbst aus, vor allem Chemielaboranten und Chemiker. Auch acht Geflüchtete aus verschiedenen Ländern haben in Kleinmachnow einen festen Job gefunden.

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