Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Verschüttet, aber nicht vergessen

Kann ein alter Tunnel Bremens City entlasten?

  • Von A. Cäcilie Bachmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Als er vor 50 Jahren eröffnet wurde, war der Tunnel unter Bremens Megakreuzung Am Brill modern und beliebt bei Fußgängern. Das Image bröckelte, als die Rolltreppe geschlossen wurde, die direkt in der unter Denkmalschutz stehende Halle des Sparkassenhauptsitzes endete. Obwohl über den Brill mehrere Bahn- und Buslinien führen, Nah- und Fernverkehr über die überbreite Kreuzung rumpeln, zogen mehr und mehr Menschen den oberirdischen Weg vor.

Das führte zum Niedergang der Läden, Kioske und Futterbuden im Tunnel, bis er schließlich vor allem von Menschen zum Übernachten genutzt wurde. Als die WCs dann auch dicht waren, verwandelte er sich nach und nach in eine große Kloake, vor neun Jahren dann wurde der Tunnel komplett geschlossen und versiegelt wurde.

Nun hat sich der oberirdische Verkehr enorm verdichtet, der motorisierte ebenso wie der Rad- und Fußverkehr. Weil der Brill zugleich ein zentraler Umsteigeort in der Innenstadt ist, kommt es täglich neben Stillstand im motorisierten Verkehr zu »Staus« auch auf den Fußwegen, die für die Menschenmassen zu schmal sind. Auch die Zahl der Unfälle nahm drastisch zu. In diesem Jahr haben bereits drei Menschen auf dem Brill ihr Leben verloren, was die Sicherheitsdiskussion erneut anheizte. Immer wieder wurde vorgeschlagen, mehr Fußgängerüberwege mit Ampeln einzurichten. Umgesetzt wurden solche Vorschläge aber nie, aus verschiedenen Gründen. Manche gingen an irgendeiner Abzweigung im langwierigen Genehmigungsverfahren einfach verloren oder wurden vergessen.

Nach den drei tödlichen Unfällen rückte der Brilltunnel wieder ins Blickfeld. Denn dass die bisherigen Vorschläge umgesetzt werden, scheint niemand mehr zu glauben. Auch die Idee, die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer zu begrenzen, führt angesichts der permanenten Staus vor und auf dem Brill, die sowieso nur Schrittgeschwindigkeit zulassen, nicht weiter.

Gegen eine Wiedereröffnung des Tunnels kommt das Bremer Argument schlechthin: die Kosten. Ein Neustart wäre teuer, weil entsprechend der heutigen Bestimmungen an jedem Ein- und Ausgang Barrierefreiheit hergestellt und eine gesetzeskonforme Belüftung installiert werden müsste. Allerdings ist es nicht gerade so, dass Barrierefreiheit und unbelastete Luft derzeit auf dem Brill selbst gewährleistet werden. Die Luft auf der Kreuzung ist voller Abgase und marode Schienenstränge, Kantsteine sowie huckeliges Pflaster schränken die Barrierefreiheit ein - dies zu ändern wäre ebenfalls teuer.

Doch wurde der Tunnel nicht geschlossen, eben weil er kaum genutzt wurde? Ja, sagen die Befürworter, doch gemieden wurde er wegen seines verwahrlosten Zustandes. Nun gibt es viele Stimmen, die von hell erleuchteten, edlen unterirdischen Passagen träumen, die nicht nur funktional angelegt sind, sondern gerade im norddeutschen Wetter zu einem Treffpunkt werden könnten. Außerdem wird das Quartier hinter dem Brill zu einem touristischen Ausflugsort mit historischen Bauwerken entwickelt. So könnte die Unterführung das Tor zu einem historischen Teil Bremens werden.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln