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Trumps kategorischer Imperativ

Das Thema Donald Trump lässt uns nicht los - auch nicht an dieser Stelle in der zweiten Woche in Folge. Der US-Präsident hat sich zu Beginn dieser Woche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki getroffen. Weil er in der Pressekonferenz nach dem Vier-Augen-Gespräch gesagt hatte, dass Russland sich nicht in den US-Wahlkampf 2016 eingemischt habe, wurde er von vielen Medien in den USA und selbst von seinen republikanischen Parteifreunden heftig kritisiert. Zurück in den USA erklärte Trump, er habe sich versprochen; selbstverständlich meine er genau das Gegenteil von dem, was er in Helsinki gesagt habe.

Zu diesem Zeitpunkt waren hierzulande viele Kommentare und Leitartikel bereits verfasst. Während die einen sich fragten, ob die Äußerungen Trumps auf einen Strategiewechsel im Weißen Haus hindeuten (auf einen bedenklichen, zu kritisierenden selbstverständlich), meinten andere Kommentatoren, in dem offenbar harmonisch verlaufenden Gespräch zwischen Trump und Putin den Beginn einer Entspannung zwischen Russland und den USA erkannt zu haben.

Faszinierend an all dem ist, dass Politiker wie Journalisten in jeder Äußerung von Trump einen Kern rationalen Handelns suchen und immer wieder meinen, diesen Kern gefunden zu haben. Faszinierend ist zudem, wie es Trump gelingt, genau diesen, der jahrzehntelang eingeübten Routine geschuldeten Reflex bei den Genannten auszulösen. Das Wesen des Soziopathen ist es eben, allen, inklusive sich selbst, eine gewisse Vernünftigkeit des eigenen Handelns vorzugaukeln und das jeweils Gesagte als unbedingt logisch zu begreifen. So macht der Soziopath andere von sich abhängig. Sie glauben ihm in der Hoffnung, es gebe eine Strategie in seinem Handeln, die auf einer übergreifenden Vernunft beruht. Das Erfolgsgeheimnis des Psychopathen in privaten Beziehungen, die Sorgen und Wünsche seiner Mitmenschen im direkten sozialen Umfeld widerzuspiegeln bzw. auf sich selbst zu beziehen und damit eine tiefe Anteilnahme sowie rationale Vernunft vorzugaukeln, funktioniert offenbar auch auf politischer und medialer Ebene. Trumps kategorischen Imperativ, der ihm sagt, jederzeit so zu sprechen, dass die Maxime seines Sprechens keinem offenbar wird, hat noch niemand entschlüsselt. jam Foto: dpa/EPA/Valda Kalnina

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