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  • Berlin
  • Angriff auf Obdachlose

Solidarität mit Lothar und Andy

Der Brandanschlag auf zwei Obdachlose sorgt weiter für Betroffenheit

  • Von Maria Jordan
  • Lesedauer: 3 Min.

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An diesem Morgen liegen vor dem S-Bahnhof Schöneweide Blumen auf einer Decke. Sie liegen dort für Lothar und Andy, die beiden obdachlosen Männer, die in der Nacht zum Montag Opfer eines Mordversuchs wurden. Ein Unbekannter hatte die 47 und 62 Jahre alten Männer mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet. Passanten verhinderten den Tod der beiden. Beide wurden mit lebensbedrohlichen Verletzungen auf die Intensivstation gebracht. Der 62-jährige Lothar ist nach Angaben der Polizei inzwischen auf die Normalstation verlegt worden und sei ansprechbar, Andy wurde wegen der Schwere der Verletzungen in ein Schutzkoma versetzt. Neue Erkenntnisse zum Täter gibt es laut Polizei nicht.

Lesen Sie auch das Interview mit Werena Rosenke: »Die Täter suchen sich die Hilfebedürftigsten aus«

Es war nicht die erste Attacke auf Obdachlose in Berliner Bahnhöfen. Am Weihnachtsabend 2016 hatten Jugendliche die Decke eines schlafenden Mannes im U-Bahnhof Schönleinstraße angezündet. Nur durch das Eingreifen von Passanten konnte er gerettet werden. Insgesamt sind seit dem vier solcher Angriffe auf Wohnungslose registriert worden. Man kann jedoch von einer weit höheren Dunkelziffer ausgehen. Auch deshalb fordert die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Wohnungslosenhilfe ein bundesweites Register, mit dem Übergriffe auf Wohnungslose dokumentiert werden. Bisher werden solche Angriffe nur unter dem Stichwort »Hasskriminalität« registriert. Dass sich diese Hassverbrechen jedoch gezielt gegen Obdachlose richtet, bleibt dabei unerwähnt. »Achtung, Respekt, Nächstenliebe und Wahrnehmung fehlen oft im Alltag«, äußert sich auch der Leiter der Bahnhofmission Zoo, Dieter Puhl auf Facebook zu dem Vorfall. »Wir sollten den menschenverachtenden Reaktionen deutlicher entgegentreten«, fordert er.

Doch trotz Zivilcourage und gesellschaftlichem Engagement bleiben Menschen, die auf der Straße leben, schutzlos. In Berlin betrifft das schätzungsweise bis zu 6000 Menschen, eine höhere Dunkelziffer ist wahrscheinlich. Es ist Sache der Politik, diesen Menschen zu einem geschützten Raum zu - einer Wohnung - zu verhelfen.

Der Senat hatte erst kürzlich ein gesamtstädtisches Programm beschlossen, mit dem Menschen in Wohnungen untergebracht werden sollen. Noch im Herbst will die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales in Zusammenarbeit mit zwei Trägern außerdem ein Modellprojekt für die Wohnraumversorgung für Obdachlose starten. Nach dem »housing first«-Konzept sollen obdach- und wohnungslose Menschen möglichst unbürokratisch zu einer eigenen Wohnung mit Mietvertrag kommen - unabhängig davon, über welche Ressourcen zur eigenständigen Haushalts- und Lebensführung der oder die Betroffene verfügt. Die Wohnung selbst als erster Schritt soll »zur Führung eines menschenwürdigen und selbstbestimmten Lebens« beitragen, heißt es von der Senatsverwaltung.

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