Werbung

700 Menschen stürmen den Grenzaun in Ceuta

Das Rote Kreuz zählte bei Geflüchteten und Polizisten über 150 verletzte / Flüchtlingsroute verlagert sich von Italien nach Spanien

  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Madrid. Mehr als 700 Menschen haben am Donnerstagmorgen den Grenzzaun der spanischen Nordafrika-Enklave Ceuta überwunden. Die spanische und die marokkanische Polizei hätten über eine Stunde lang versucht, die Aktion zu unterbinden, berichtete die spanische Tageszeitung »El País« in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf die spanische Polizei. Das Rote Kreuz habe 132 Migranten und 22 Polizisten behandelt.

Dem Bericht zufolge hatten die Geflüchteten mit Bolzenschneidern die Grenzzäune aufgeschnitten und die Beamten erstmals bei solch einer Erstürmung des Zaunes mit selbst gebauten Flammenwerfern und Branntkalk angegriffen. Branntkalk führt beim Kontakt mit der Haut zu Verätzungen. Damit war es die massivste Stürmung der Grenze in der spanischen Enklave.

Die Geflüchteten hätten sich nach dem Grenzübertritt zum Aufnahmelager in der Stadt begeben. Dem Bericht zufolge nahm die spanische Polizei bei der Aktion aber auch mehrere Migranten noch am Fuße des Zauns fest und schickte sie nach Marokko zurück. Solche sogenannten Push-Back-Abschiebungen sollte es laut einer Ankündigung der spanischen Regierung eigentlich nicht mehr geben, weil dabei nicht geprüft werden kann, ob es sich um Kriegsflüchtlinge mit einem Asylanspruch handelt.

Die Grenze Ceutas zu Marokko ist 8,4 Kilometer lang und mit einem doppelten und mehr als sechs Meter hohen Zaun gesichert. Der spanische Innenminister Fernand Grande-Marlaska hatte nach seiner Ernennung im Juni angekündigt, dass er den rasiermesserscharfen Stacheldraht an den Zäunen entfernen lassen wolle.

Die Verlagerung der Hauptfluchtroute von Italien nach Spanien fällt zusammen mit dem Antritt der Populisten-Regierung in Rom im Juni. Sie fährt einen harten Anti-Migrationskurs. Zuletzt hat Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega Hilfsorganisationen die Einfahrt in einen Hafen verwehrt, mehrere Schiffe mit geretteten Migranten an Bord wurden tagelang blockiert. Noch immer müssen 40 Geflüchtete auf einem Schiff ausharren. Nachdem Frankreich, Italien und Malta die Aufnahme der Menschen verweigert hatte, erteilten die tunesischen Behörden zunächst eine Anlegeerlaubnis, zogen diese jedoch wenig später zurück. Inzwischen harren sie zwei Wochen auf dem tunesischen Schiff »Sarost 5« aus. Nach Ansicht von Salvini kann die Migrationskrise nur gelöst werden, wenn alle aus Seenot geretteten nach Libyen zurückgeschickt werden.

Bis Mitte Juli sind in Spanien laut Internationaler Organisation für Migration (IOM) etwa 18.000 Männer, Frauen und Kinder angekommen. Zusätzlich hätten fast 3000 Migranten versucht, über die in Nordafrika gelegenen spanischen Gebiete Melilla und Ceuta einzureisen, teilte die IOM am Dienstag in Genf mit. Speziell in den vergangenen Wochen schnellte die Zahl der Geflüchteten von rund 50 auf fast 220 am Tag hoch. Damit kamen auf der westlichen Mittelmeer-Route im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast drei Mal mehr Migranten an.

Die meisten von ihnen stammen den Angaben zufolge aus Marokko, Guinea und Mali. Frontex-Chef Fabrice Leggeri warnt seit Monaten davor, der Weg über Spanien könne die neue Hauptroute für Geflüchtete werden. Agenturen/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen